Interview mit Florian David Fitz

Schauspieler mit Nebenberuf

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Bekannt wurde er durch die TV-Serie "Doctor's Diary" und den Kinofilm "Männerherzen". Heute startet sein neuer Film "Vincent will meer". Darin spielt Florian David Fitz nicht nur die Hauptrolle; er hat auch das Drehbuch geschrieben: ein für Schauspieler eher seltener Weg.

Peter Zander hat den 35-Jährigen gesprochen.

Berliner Morgenpost: Schauspieler, die mal Regie führen, das kennt man ja. Aber wie kommt man darauf, ein Drehbuch zu schreiben?

Florian David Fitz: Ich glaube, es gibt ganz viele, die das tun wollen, nur gehen es die wenigsten an. Ich glaube, es gibt auch ganz viele, die Drehbücher geschrieben haben, die dann nur nie verfilmt wurden. Mein Glück war, dass ich den Stoff, den ich im Kopf hatte, einer Verwandten geschildert habe. Und die riet mir: Mach das nicht alleine, geh zur Drehbuchwerkstatt. Das ist ein Stipendium von der Filmhochschule in München. Da musst da alle sechs Wochen deinen Betreuern etwas vorlegen, du bist also in einen Arbeitsrahmen gezwungen. Das professionalisiert sich automatisch.

Berliner Morgenpost: Und wie kommt man bei seinem Drehbuchdebüt auf das Tourette-Syndrom? Das ist beim deutschen Publikum ja weitgehend unbekannt.

Florian David Fitz: Ich hatte einen Lehrer auf der Schauspielschule in Boston, der hatte Tourette, ging damit aber ganz locker um. Das hat mich für das Thema sensibilisiert. Immer, wenn mir das im Fernsehen begegnet, bei "Stern TV" oder "RTL exklusiv", sehe ich das mit anderen Augen. Die Tatsache, dass es Menschen gibt, denen ihr Körper ständig einen Strich durch ihre Rechnung macht, das schien mir eine reizvolle Ausgangssituation für einen Film zu sein.

Berliner Morgenpost: Hat man da nicht auch Angst, es könnte so wirken, als ob man eine Krankheit nur ausschlachtet?

Florian David Fitz: Klar, solche Vorwürfe können kommen: dass man das nur benutzt, dass man eine Komödie daraus macht. Darüber habe ich mir natürlich Gedanken gemacht. Aber Tourette sollte vor allem ein Symbol sein: für all die Dinge, die dich an die Wand drücken, die dich nicht so sein lassen, wie du gern sein willst. Was dann ja wieder jeder kennt.

Berliner Morgenpost: Wie schwer fiel es Ihnen denn als Schauspieler, sich plötzlich schreibend auszudrücken?

Florian David Fitz: Das Schreiben selbst fällt mir relativ leicht, nur der Anfang ist schwer. Ich musste es wegen Dreharbeiten immer wieder liegen lassen, also auch immer wieder neu anfangen. Das war mit großer Frustration verbunden. Ich hatte immer mindestens einen Tag, an dem ich gar nichts zustande gebracht habe, um überhaupt wieder reinzukommen.

Berliner Morgenpost: Hat man danach mehr Achtung vor anderen Drehbüchern?

Florian David Fitz: Ich hatte immer schon Hochachtung vor guten Drehbüchern.

Berliner Morgenpost: ... die aber womöglich nicht gar so zahlreich sind, weshalb man sich lieber selber hinsetzt?

Florian David Fitz: Ja. Wenn ich das, bitte, nicht weiter ausführen muss...

Berliner Morgenpost: Ist das auch ein Ausbruchsversuch aus der Serienschublade von "Doctor's Diary"?

Florian David Fitz: Kann es gar nicht, weil ich die Idee zum Drehbuch schon hatte, bevor die Serie losging. "Doctor's Diary" muss man eher als das Gegenteil von all den Rollen sehen, die ich davor gespielt habe. Aber so oder so ist es schön, Kontraste zu haben.

Berliner Morgenpost: Haben Sie sich denn von Anfang an auch in der Hauptrolle gesehen?

Florian David Fitz: Natürlich habe ich das nicht ganz uneigennützig geschrieben. Ich bin Schauspieler und als solcher hofft man auf herausfordernde Rollen. Aber wenn ich gespürt hätte, ich kriege das nicht hin, ich stehe dem Projekt im Wege, dann hätte ich wohl nicht darauf bestanden.

Berliner Morgenpost: Wie ist das für den Regisseur, wenn der Drehbuchautor auch vor der Kamera steht? Sonst hat man ihn ja am liebsten weit weg vom Set.

Florian David Fitz: Das ist natürlich nicht die leichteste Konstellation. Regisseure sind es ja gewohnt, Drehbücher nur als Grundlage zu sehen. Aber es war völlig klar für mich, der Regisseur macht den Film. Natürlich behandeln dich auch die anderen Darsteller plötzlich anders, als wenn du nur einer von ihnen bist. Ich habe aber bei "Vincent" weniger mitgeredet als bei anderen Projekten. Ich hatte eine Maulsperre.

Berliner Morgenpost: Werden Sie eigentlich häufig mit dem Fernsehschauspieler Florian Fitz verwechselt?

Florian David Fitz: Nicht mehr. Das war am Anfang so. Ich heiße ja eigentlich auch nur Florian Fitz, wie er, aber das war anfangs ganz klar, du kannst nicht so heißen. David ist nur so eine Erfindung, um was dazwischenstellen zu können. Jetzt ärgere ich mich, dass ich den David mit mir rumtrage.

Berliner Morgenpost: Der andere Florian zählt zu dem Berliner Fitz-Kreis um Peter Fitz. Sie zählen zu dem Münchner Fitz-Kreis um Lisa, Veronika und Michael Fitz. Kennen sich diese Clans?

Florian David Fitz: Ich kenne Florian vom Händeschütteln. Selber Name, finden wir beide lustig. Sonst gibt's, glaube ich, keine Verbindungen. Auch keine Verwandtschaft.

Berliner Morgenpost: Berät sich die Münchener Fitz-Gruppe denn auch untereinander?

Florian David Fitz: Ja, wir sind gut vernetzt, auch wenn das zeitlich oft nicht einfach ist. Aber Lisa etwa, eine Cousine zweiten Grades, hat mich gerade in meiner Anfangszeit sehr beraten. Und der Tipp mit der Drehbuchwerkstatt kam von Ariela Bogenberger, der Tochter von Veronika Fitz.

Berliner Morgenpost: War "Vincent will meer" das einzige Drehbuch, oder liegen da noch mehrere in der Schublade?

Florian David Fitz: Es liegt noch eins in der Schublade, aber das liegt da ganz gut. Das war mein erster Versuch. Ich hoffe aber schon, dass da bald noch andere liegen werden. Ich habe jedenfalls Blut geleckt. Das wird aber nicht regelmäßig gehen, ich habe ja noch einen anderen Beruf, den ich liebe.

Berliner Morgenpost: Der nächste logische Schritt wäre dann die Regie.

Florian David Fitz: Das könnte ich mir mal auch vorstellen. Die Frage ist aber: Könnten sich andere das auch vorstellen.