Bühne

Prime Time Theater eröffnet neue Spielstätte

Größer, schöner, bequemer: Das Prime Time Theater ist umgezogen und eröffnet heute Abend mit "The Friecks - eine Rockstory" die neue Spielstätte.

- Der dritte Umzug der Macher der kultigen Sitcom "Gutes Wedding, Schlechtes Wedding" (GWSW) - dem wahrscheinlichen längsten Theaterstück der Welt - ist der kürzeste: Wenige Meter liegen zwischen dem alten und dem neuen Domizil. "Links von der SPD", so beschreibt Theaterchef Chef Oliver Tautorat die geographische Lage an der Ecke Müller-/Burgsdorfstraße. Gegen das Logo der Partei, die im selben Haus Büroräume hat, kommt die an ein Kino erinnernde Fassadenwerbung des Theaters locker an - und mit Sicherheit übertrifft auch die Zahl der jährlichen Zuschauer die der Weddinger SPD-Mitglieder.

Komfort wird jetzt großgeschrieben: Musste man sich früher in einem engen Treppenhaus für die stets sehr begehrten Restkarten anstellen und kam in der Pause nur mit vielen freundlichen Worten bis zur Toilette, sind die Räumlichkeiten nun viel großzügiger. Wie auch der Saal mit jetzt 210 Sitzplätzen, fünfzig Prozent mehr als vorher. Ein Drittel der Stühle verdient das Prädikat superbequem: Die stammen aus dem Schiller-Theater, wo im Rahmen des Umbaus zur Ausweichspielstätte für die Staatsoper und der damit verbundenen Vergrößerung des Orchestergrabens einige Exemplare überzählig sind. Viele werden sich gar nicht mehr daran erinnern, dass man im Schiller-Theater so gemütlich sitzen konnte.

Hinter dem Prime Time Theater verbirgt sich eine echte Erfolgsgeschichte. Angefangen haben sie zu zweit: Constanze Behrends und ihr späterer Mann Oliver Tautorat haben alle Figuren, die vor gut fünf Jahren in der ersten GWSW-Folge aufgetreten sind, selbst gespielt. Und vorher die Karten verkauft; es passten eh nur 35 Zuschauer ins Theater. Mit jedem Umzug verdoppelte sich die Kapazität - beim letzten haben die Prime Timer dann mit dieser Regel gebrochen. Größer wurde auch das Team. Mittlerweile beschäftigt das Theater zwölf Angestellte, die Hälfte davon steht auf der Bühne: Neben dem Ehepaar Tautorat noch Jenny Bins, Felicitas Vajna, Kaan Satik und Alexander Ther.

Alleinige Autorin ist Co-Theaterleiterin Constanze Behrends Tautorat, die jetzt an der 60. Folge des ewigen Kampfes der "Prenzlwichser" (das sind die intellektuell-künstlerischen Typen vom Prenzlauer Berg) gegen die bodenständigen Weddinger schreibt. Rund 70 Prozent der Besucher sind Stammgäste, erzählt Oliver Tautorat, einige reisen sogar aus Hamburg an, um Döner-Taxifahrer, lispelnde Postboten mit Vokuhila-Frisur, "Latte"-süchtige Theaterregisseure und die anderen Typen zu erleben, die GWSW bevölkern. Unterbrochen werden die Staffeln durch Extra-Produktionen wie einem Weddinger Western ("Der Schatz im Plötzensee") oder einer Bond-Parodie inklusive wilder Tretboot-Verfolgungsjagd.

Zur Theatereröffnung tauchen die Prime Timer tief in die 70er-Jahre ein: Der Flokati-Teppich-rauchende Rastaman Bob und der politisch aktive Sponti Rainer gründen "K 65", die erste Kommune im Wedding. Das bayrische Fotomodell Uschi und die radikale Ulrike ziehen ein. Und Jim, der Sänger einer Rockband mit Hang zu morbiden Gedichten, hat einen Auftritt vor der neuen Rückprojektionswand, die ganz neue ästhetische Entwicklungen dieser Art von schrägem Volkstheater ermöglichen soll. Für die nächsten fünf Jahre.

Prime Time Theater , Müllerstr. 163, Wedding. Tel. 49 90 79 578. Eröffnung heute, 20.15 Uhr.