Eröffnung

Rixdorf lässt die Puppen tanzen

Eigentlich soll es bei "OpenOp", dem "Europäischen Festival für anderes Musiktheater", um Stücke aus Mazedonien, Estland und Tschechien gehen, auch aus Holland und Belgien. Doch eröffnet wurde mit einer einheimischen Produktion.

Sie wird von den Gästen kaum zu übertreffen sein - und repräsentiert auch keineswegs 'anderes', sondern typisches, allerbestes Musiktheater, wie wir es von der Neuköllner Oper kennen.

Suse Wächters "Helden der Oper" ist eine köstliche, ironische Operngala mit allem, was dazu gehört: roter Laufsteg, Sektchen, überforderte Moderatoren und natürlich eine Sponsorenwand, die hier allerdings nur wenige Marktführer zeigt, dafür solche innovativen Förderer wie den "Rathaus-Grill" und Taxifahrer Ilhan. Ein filmischer Vorspann dokumentiert, wie die Gelder im Kiez rund um die Karl-Marx-Straße eingeworben wurden, und zwar von Karl Marx höchstpersönlich. Was am Ende fehlte, legten die Kulturstiftung des Bundes und die Senatskanzlei drauf; OpenOp bietet an zehn Tagen insgesamt 13 Produktionen, darunter vier Uraufführungen.

"Helden der Oper" wird von einem hinreißenden Damen-Trio moderiert. Suse Wächter, Ulrike Eidinger und Melanie Lüninghöfer schmeißen eine Opern-Gala aufs Parkett, die es einem unmöglich macht, jemals wieder solche Veranstaltungen ernst nehmen zu können. Sie moderieren und singen mit witzigster Grazie, und wenn sie sich zum kleinen Ensemble vereinen, sind sie das derzeit erotischste Terzett Deutschlands - so sexy ist nicht einmal Kurt Krömer! Das alles wäre schon genug, um uns enthusiasmiert nach Luft schnappen zu lassen, aber erst die von Suse Wächter eigenhändig vefertigten, bedienten und synchronisierten Puppen führen zu wirklicher Atemnot. Ein kleiner, sichtlich irritierter Sigmund Freud muss einen Song von Metallica vortragen, während Luciano Pavarotti das hohe C treffen soll, ohne die Arme zu heben, wozu ihm plüschige rosa Handschellen angelegt werden. Er hält außerdem einen ganz beachtlichen Vortrag über die Ähnlichkeit des ehemaligen Bayern-Stürmers Luca Toni mit Heiligengestalten der italienischen Renaissance. Glanznummer ist die sich wieder einmal in öffenlichkeitsscheuen und männerfeindlichen Stereotypen ergehende Elfriede Jelinek. Sie hätte unbedingt den Goldenen Vogel abschießen müssen, doch ging der Award dieser Gala an Michael Jackson im Engelskostüm. Was wäre eine Jury ohne echte Fehlentscheidung!

Suse Wächters Puppen haben sogar schon die Salzburger Festspiele erobert. Jetzt also die Berliner Bronx. Wie schwer es ist, über die von ihr aufgelegte Messlatte zu springen, bewies noch am selben Abend die mazedonische Produktion "A Fist full of love", eine etwas langatmig geratene Kriegsrevue mit viel Balkanpop und wenig Dramaturgie. Zum Glück kommt noch Moritz Eggerts "Bordellballade". Die Erwartungen sind astronomisch hoch. Aber über die Neuköllner Oper lässt sich heute schon sagen: originellste Musikbühne Berlins, witzigstes Kabarett, schönster Venus-Tempel. Rixdorf at his best!

Neuköllner Oper , Karl-Marx-Str. 131-133, Neukölln. Tel. 68 89 07 07, Festival OpenOp täglich bis 18.4.; "Helden der Oper": 18., 29., 30.4.