"I love You": ein flotter Broadway-Hit

Die Zeit ohne "Sex and the City" ist vorbei - zumindest in Berlin. Die neue Musical-Mannschaft im HT21 schließt genau da an, wo Carrie Bradshaw aufhörte: bei dem ewigen Kampf zwischen einsam oder zweisam sein. Wobei Moabit naturgemäß etwas weniger glamourös ist als Manhattan. Doch immerhin, das Stück kommt aus New York: "I love You, You're perfect, Now Change" - der umständliche Bandwurmtitel durfte leider nicht eingedeutscht werden. Es läuft dort seit sieben Jahren Off-Broadway als netter Paarungserfolg: 48 Hochzeiter sollen sich danach sogar fürs Leben getraut haben. Dabei müßte die Handlung mit den pointensicheren Texten von Joe DiPietro und den eher schwachen Songs von Jimmy Roberts die Liebenden eher abschrecken.

Die erste Hälfte des schlanken Zweistünders reicht von der Sandkastenliebe über verklemmte Dates, hemmungslos vorehelichen Sex mit dem Pizzaboy bis zum Kirchgang. Anschließend folgt das böse Eheerwachen mit störenden Kindern, lustlosen Gatten, Geschiedenen bei der Videokontaktanzeige bis hin zum letzten Friedhofsflirt mit dem heillosen Paarungs-Fazit: "Ich liebe Dich, Du bist perfekt, jetzt ändere Dich." Das amouröse Quartett Melanie Haffke, Sonja Herrmann, Andreas Berg und Sven Prüwer hat die nackte Bühne sowie die treffsichere Übersetzung von Frank Thannhäuser und Iris Schumacher für sich allein.

Thomas Grandochs Regie treibt sie virtuos in jeweils mindestens zehn Rollen. Singleschicksal, Partnerfrust und erste Entflammtheit, verglühte Illusion und liebliches Kuscheln im Abendrot - alles ist dabei, musikalisch flott grundiert. Selten war ein Musical in Berlin unaufwendiger - und selten so wirkungsvoll.

Hansa-Theater, Alt-Moabit 48. Tel.: 398 974 74. Termine: Mi-Sa 20 Uhr, Sa und So 16 Uhr. Bis 6.3.

Manuel Brug