Bühne

Streit mit dem Vermieter: Theater Engelbrot schließt

Es gibt viele Gründe, warum ein Theater geschlossen wird: Zwei Hauptursachen sind gekürzte oder gestrichene Zuschüsse (Tribüne, Schiller-Theater) oder die Kündigung des Mietvertrages (Theaterdiscounter).

- Manchmal kommt es auch vor, dass sich Gruppen über ihre künstlerische Entwicklung uneins sind - und sich auflösen. Aber das ist eine Ausnahme.

Das nächste Theater, das seine Schließung angekündigt hat, liegt in Moabit. Das Engelbrot, das frühere Hansa-Theater, stellt den Spielbetrieb am 31. März ein. Das kündigte gestern der künstlerische Engelbrot-Leiter HP Vannoni an, der unter seinem Zweit- oder Künstlernamen HP Trauschke regelmäßig selbst inszeniert und gelegentlich auf der Bühne steht. Beispielsweise, indem er sich in Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie" zum Affen macht.

Vannoni/Trauschke kümmert sich auch um die administrativen Tätigkeiten und untermauert das, indem er einen möglicherweise zufällig aufkreuzenden Handwerker während der Pressekonferenz ein paar Anweisungen gibt. Vielleicht liegt in dieser Doppelbelastung eine Ursache des Scheiterns. Denn Künstler und Verwaltungsdirektor in Personalunion, das geht oft schief. Entweder auf der Bühne oder beim Kassensturz.

Als offizieller Schließungsgrund wird der Mietvertrag angeführt. Was nun in Kurzform folgt, ist eine Geschichte über enttäuschte Freundschaften, heruntergekommene Immobilien und geplatzte Träume.

Zum Auftakt im Mai 2007 fuhren die neuen Herren des Engelbrots (neben Vannoni der Schauspieler Ludo Vici) mit dem Playboy Rolf Eden im Rolls-Royce beim Theatertreffen vor, um für die eigene Theater-Eröffnung zu werben. Es gab "Die Stühle", Ionescos absurden Einakter, der mit dem kryptischen Wort "Engelbrot" endet.

Es gab einen Mietvertrag mit Artur Brauner, dem die Immobilie in Moabit damals gehörte. Allerdings nicht lange - und damit begannen die Probleme. Im November 2007 verkaufte Brauner laut Vannoni ein Immobilienpaket einschließlich des Theaters an die Sparkassen Immobilien AG Wien (SIAG). Es folgten Streitigkeiten mit der SIAG, Mietzahlungen wurden eingestellt, es gab finanzielle Nachforderungen, einen Wechsel in der Geschäftsleitung der SIAG, und schließlich einen weiteren Mietvertragsentwurf. Der wurde dann von Ludo Vici (beziehungsweise "Ludowici", wie Vannoni jetzt schreibt) unterzeichnet.

Möglicherweise war das der entscheidende Fehler. Vannoni spricht von einem "Knebelvertrag". Denn sein Freund Ludowici will jetzt raus aus dem Kontrakt (ein Umzug nach München aus familiären Gründen), aber Vannoni, der das Engelbrot gern weiter betreiben würde, kommt nicht rein. Stattdessen wolle die SIAG offenbar mit Martin Schmidt-Roßleben einen Vertrag abschließen. Pikanterweise handelt es sich bei diesem neuen Interessenten um einen guten Bekannten von Vannoni. Der hatte Schmidt-Roßleben im Dezember 2008 die Geschäftsleitung des Engelbrots angeboten. Jetzt spricht Vannoni von einer "feindlichen Übernahme" - und von acht gefährdeten Arbeitsplätzen.