Musik

Alte Klänge in neuen Räumen

Endlich ist es soweit: Bevor das restaurierte Neue Museum am 16. Oktober eröffnet wird, gewährt es Besuchern vom 6. bis zum 8. März vorab exklusive Einblicke. Ein besonderer Leckerbissen erwartet die Besucher dabei in den Abendstunden.

Die Lautten Compagney Berlin, eines der renommierten Vorbarock-Ensembles Deutschlands, erforscht und durchleuchtet das Gebäude mit Werken von Tarquinio Merula und Philip Glass. Zur Seite stehen den Musikern vier Tänzer, die die Räume in Bewegung verwandeln.

Wolfgang Katschner, der Künstlerische Leiter der Lautten Compagney, zeigte sich bei der gestrigen Probe wie verzaubert von der ungewöhnlichen Atmosphäre des Ortes. "Schon im März 2002 haben wir hier musiziert", erinnert sich Katschner. "Buxtehudes 'Membra Jesu Nostri' stand damals auf dem Programm, kombiniert mit moderner Videokunst. Nach diesem Erlebnis war uns allen klar, dass wir unbedingt noch mal etwas in diesen Räumen machen wollten."

Nun also erobert die Lautten Company das Neue Museum erneut - diesmal zusammen mit Heike Hennig und ihrer Gruppe für Zeitgenössischen Tanz. Seit Hennigs Händel-Projekt 'Rituale', das Ende Februar in Leipzig Premiere hatte, sind beide Ensembles eng verbunden.

"Uns geht es darum, das Alte und das Neue zusammenzubringen. Wir wollen zeigen, wie sich beides durchdringt und zu einer neuen künstlerischen Einheit findet", erklärt Katschner. Dass dabei ein heutzutage nahezu vergessener italienischer Komponist der Monteverdi-Zeit, nämlich Tarquinio Merula, eine Liaison mit der Minimal-Music-Ikone Philip Glass eingeht, mutet auf den ersten Blick wie ein gewagtes Experiment an. Doch es funktioniert. "Timeless - Im Wandel der Zeit" nennt Katschner den musikalischen Dialog der Jahrhunderte, der auf wundersame Weise das im Neuen Museum herrschende architektonische Prinzip widerspiegelt, verstärkt und ergänzt. "Letztendlich spielt es bei unserer musikalischen Reise keine Rolle mehr, was alt oder was neu ist. Der besondere Moment, den wir aus dem Strom der Zeit lösen, steht ganz für sich selbst." Ungewöhnlich, aber konsequent ist die Verschmelzung von historischen Streichinstrumenten und modernen Saxophonklängen. "Merulas Musik bekommt dadurch etwas beinahe bestürzend modernes, während die alten Lauten in Philip Glass' Kompositionen für archaische Dimensionen sorgen. "Die Dinge haben nicht mehr den Platz, den wir ihnen oft zuweisen. Das Zeitliche wird relativ, es schwebt im Raum, und das zu erleben ist ungeheuer spannend."

Die Choreographie von Heike Hennig folgt einem ähnlichen Ansatz wie die Musik. "Die Bewegungen der Tänzer sind von der Musik und Architektur gleichermaßen inspiriert", sagt Hennig. "Es lassen sich ebenso barocke Gesten aus dem klassischen Ballett finden wie serielle Muster, Tanzsequenzen, die sich in verschiedenen Facetten wiederholen. An einer Stelle habe ich übrigens auch Elemente des HipHop einfließen lassen - als Referenz an das unmittelbare Jetzt. Ich bin gespannt, wie das bei den Zuschauern ankommen wird." Hennig sieht ihre Arbeit als liebevolle, intime Verbeugung vor dem architektonischen Kunstwerk. "Die Tänzer schmiegen sich in die Räume des Museums", verspricht Hennig.

Um 19 Uhr ist jeweils Einlass zum musikalisch-tänzerischen Teil des Abends, ab 19.30 Uhr beginnen sich Musiker und Tänzer gemeinsam mit den Besuchern durch das Gebäude zu bewegen. Um 21 Uhr findet im Griechischen Hof dann ein Sitzkonzert statt.

Neues Museum , Museumsinsel, Mitte. Tickets und Info Tel. 266 36 66. Vorpremiere heute, 19.30 Uhr; Vorstellungen Fr - So, 19.30 Uhr.