Gesprächskultur

Die Generationen reden aneinander vorbei

Die gute Nachricht ist: Wir sprechen noch miteinander. Die Deutschen sind kontaktfreudig und kommunikationsstark - zu dem Ergebnis kommt eine neue Studie, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag von "Bild der Frau" und "Jacobs Krönung" erstellt hat.

Immerhin 63 Prozent der Bevölkerung unterhalten sich täglich oder mehrmals in der Woche intensiv mit anderen Menschen. Um die Gesprächskultur im Land steht es also generell nicht schlecht - sie ist allerdings auch großen Veränderungen unterworfen. Das hat, wenig überraschend, mit neuen Medien wie Handy und Internet zu tun. Und da diese von den Generationen unterschiedlich intensiv genutzt werden, driften diese in der Art der Kommunikation deutlich voneinander ab.

Der Eindruck, dass das Gespräch von Angesicht zu Angesicht bei den Jüngeren seltener werde, sei richtig, bestätigte Renate Köcher vom Allensbacher Institut bei der Vorstellung der repräsentativen Studie in Berlin. 1843 Bundesbürger über 14 Jahre wurden dafür befragt, wie, wo, wann, mit wem und worüber sie sich austauschen.

Während die über 30-Jährigen weiter vor allem auf das persönliche Gespräch setzten, sind es bei den 14- bis 19-Jährigen nur noch 36 Prozent. In der Gunst dieser Altersgruppe liegt das chatten (67 Prozent) oder SMS-Senden (52 Prozent) sehr viel weiter vorn. Schon die nächste Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen begeistert sich deutlich weniger für den Internet-Chat: nur 33 Prozent benutzen ihn regelmäßig, um mit Freunden in Kontakt zu treten, bei den 45-59-Jährigen sind es nur noch 7 Prozent.

Ähnlich sieht es bei kommunizieren per Email aus: Geben noch fast die Hälfte der Vertreter der jüngsten Altergruppe an, gerne Emails zu schreiben, sind es bei den 30 bis 44-Jährigen 23, bei den 45-59-Jährigen sogar nur 13 Prozent. Besonders drastisch sind die Unterschiede sind allerdings im Vergleich mit der Generation der über 60-Jährigen, die gewissermaßen isoliert von der elektronischen Kommunikation bleiben: Emails (3 Prozent), Chat (2 Prozent) SMS (2 Prozent) werden von ihnen so gut wie nicht genutzt. Und die Kommunikationskluft zwischen den Generationen könnte, das legt die Studie nahe, in den nächsten Jahren noch größer werden: Der Anteil der Unter-30-Jährigen, die mehrmals täglich via Handy oder Internet kommunizieren hat sich allein in einem Jahr, von 2007 auf 2008, von 57 auf 64 Prozent erhöht.

Zudem hat die Nutzung der verschiedenen Kommunikationsmedien auch deutlichen Einfluss auf Stil und Inhalte. Wer an SMS und Emails gewöhnt ist, schreibt anders als der klassische Briefeschreiber. Und offensichtlich stehen auch Geschwindigkeit und Tiefe der Kommunikation in einem Zusammenhang. So befragten die Allensbacher Forscher die 14- bis 19-Jährigen zusätzlich getrennt danach, ob sie gerne per SMS Kontakt zu ihren Freunden halten, oder andere Wege bevorzugen. Das Resultat: Die SMS-Fans werden bei längeren Gesprächen schneller ungeduldig und haben offenbar einen geringern Anspruch an die Inhalte. Die anderen wiederum wunderten sich überdurchnittlich oft über die Belanglosigkeit vieler Gespräche.

Auch bei den Inhalten der Gespräche vollziehen sich Veränderungen: Das Interesse der Jüngeren an gesellschaftlichen Entwicklungen ab - ob es ob Politik, Wirtschaft, oder Kultur geht - nimmt ab. Zwar schätzen die Jüngeren das Gespräch mit der älteren Generation, und umgekehrt. Aber es findet immer seltener statt. Von einem Generationenkonflikt wie früher könne nicht mehr die Rede sein - aber die Erfahrungswelten haben sich auseinander bewegt, hieß es gestern.