Berlinale-Kamera

"Ich lehne nie eine Kamera ab"

Claude Chabrol, französischer Regisseur, feiert in diesem Jahr sein 50jähriges Berlinale-Jubiläum: 1969 erhielt er den goldenen Bären für den Film "Schrei wenn du kannst" - in diessem Jahr wurde er mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet.

Dass die Berlinale-Kamera dieses Jahr an eine ganz besonders bedeutende Persönlichkeit geht, sieht man sofort: Das Cinema Paris am Kurfürstendamm ist brechend voll, die Gänge sind verstopft mit Fotografen und Fernsehteams.

Der unscheinbare, kleine Mann der da mit vom Alter gebeugten Rücken die Bühne betritt, ist nicht nur aufgrund seiner rund 60 Filme schon zu Lebzeiten in den Olymp der Filmgeschichte aufgestiegen, sondern auch weil ihm Dank seines charmanten Witzes Presse und Publikum förmlich zu Füßen liegen.

So auch gestern Abend: Die französische Regielegende Claude Chabrol nimmt Berlinale-Chef Dieter Kosslick die Berlinale-Kamera aus der Hand, und von diesem Moment an wird im Saal nur noch gekichert; der 78-Jährige albert mit der silbernen Kamera-Statue herum, er mimt, das Publikum zu filmen - wer so clevere Augen hat wie Chabrol, kann sich das leisten, wirkt dabei charmant statt kindisch. Und dann beginnt er zu reden - ohne Punkt und Komma und so lange, dass die Übersetzerin gleich gar nicht zu Wort kommt. Chabrol hat dieses Jahr ein persönliches Berlinale-Jubiläum: Vor 50 Jahren bekam er den Goldenen Bären für "Schrei, wenn Du kannst" verliehen - eine Auszeichnung, die ihm nach eigenen Aussagen diktatorische Vollmachten am Filmset verlieh. Nach Berlin gekommen ist er wie damals gern, erzählt er, viele Erinnerungen hat er an diese Stadt, in der er auch selbst schon gedreht hat, die er immer spannend fand, nicht zuletzt wegen ihrer Rolle im Kalten Krieg.

Noch einen Bären will er nicht: "Den sollen junge Leute verliehen bekommen, wir Alten benötigen ihn nicht mehr." Die Kamera der Berlinale dagegen nehme er gerne. Den Preis fürs Lebenswerk sieht er klar als "Preis fürs Alt-Sein." Und außerdem, so sagt er: "Ich lehne nie eine Kamera ab."

Chabrol hat dem Berlinale-Publikum auch etwas mitgebracht: seinen Film "Bellamy" mit Gerard Depardieu, der im Anschluss an die Verleihung gezeigt wurde. Depardieu spielt in dieser verspielten Krimi-Komödie einen schrulligen Kommissar. "Ich habe sehr gern mit Gerard gedreht", sagt Chabrol. Er möge es besonders gern, wenn Schauspieler bei ihm den Eindruck erweckten, "ich hätte es geschafft, dass sie das Beste aus sich herausholen" - wie Gerard Depardieu.