Rosa de luxe

"Rosa Luxemburg. Ein Platz. Ein Zeichen." Die Plakate in den Fluren weisen den Weg. Hinauf in den fünften und obersten Stock, dorthin, wo kein Fahrstuhl mehr fährt. Die letzten Stufen liegen hinter einer Brandschutztür verborgen. Dann die Überraschung: Konferenzraum ist eine sehr dezente Umschreibung für diesen mit Parkett ausgestatteten (Ball-)Saal unterm Dach der Senatskulturverwaltung. Ein bißchen verloren wirken darin die drei Stelltafeln und die in wenigen Reihen plazierten Stühle. Davor steht ein Tisch für fünf Personen.

Kultursenator Thomas Flierl (PDS) präsentiert die beiden von einer Jury ausgewählten Entwürfe für ein "Denkzeichen für Rosa Luxemburg". Den Wettbewerb gewonnen hat der in New York lebenden Künstler Hans Haacke, der in Berlin zuletzt mit seiner Installation "Die Bevölkerung" im Reichstag für Aufsehen gesorgt hat.

Hans Haacke schaut vorsichtshalber auf das Namensschild, bevor er sich an den Tisch setzt. Sein Siegerentwurf hängt an der Stellwand neben ihm. Viel zu erkennen ist da nicht. Thomas Flierl wird später die Unterschiede zwischen einem "aufragendem Denkmal" (was ausdrücklich nicht erwünscht war) und einem Denkzeichen erläutern und ein bißchen trotzig in Richtung der Kritiker sagen, daß diese Art des Erinnerns doch wohl "unpathetisch" sei. Haacke schlägt vor, auf dem Rosa-Luxemburg-Platz vor der Volksbühne und den angrenzenden Straßen auf Gehwegen und Fahrbahnen bis zu sieben Meter lange Betonstreifen einzulassen. Darin werden mit Messingbuchstaben kurze Zitate aus Artikeln, privaten Briefen und Schriften von Rosa Luxemburg eingefaßt. Das vom Künstler ausgewählte Spektrum reicht von "Unser herrschender ,Marxismus fürchtet leider jeden Gedankenflug wie ein alter Gichtonkel" bis zu "Es stimmt, ich habe verfluchte Lust, glücklich zu sein und bin bereit, Tag für Tag um mein Portiönchen Glück mit dumpfem Eigensinn zu kämpfen". Insgesamt 100 O-Töne möchte Haacke installieren, "aber es können auch ein paar weniger sein." Der Konzeptkünstler zeigt sich schon im Vorfeld kompromißbereit, scheint die permanenten Kostendiskussionen und Konsequenzen bei Berliner Gedenkorten verinnerlicht zu haben. Insgesamt stehen 260 000 Euro aus Mitteln des Programms "Kunst im Stadtraum" für die Realisierung zur Verfügung. Das Denkzeichen soll bis Herbst 2006 stehen. Passenderweise endet dann die Legislaturperiode und möglicherweise auch die Zeit der rot-roten Regierung, die dieses Projekt sogar im Koalitionsvertrag festgeschrieben hatte.

Mehr Aufmerksamkeit als der siegreiche zieht der zweitplazierte Entwurf auf sich. Er bringt Farbe ins Spiel. Natürlich rosa. Nach den Vorstellungen von Maria Cecilia Barbetta und Miguel Rothschild sollen sich Luxemburg-Zitate "durch Berlin bewegen". Deshalb wollen die beiden mit dem Label "rosadeluxe" (rdl) eine Modelinie kreieren. Damit es anschaulich wird, trägt Maria Cecilia Barbetta rosa Socken und ein mit einem rosa Klecks verziertes und dadurch weitgehend unkenntlich gemachtes adidas-Shirt. Und auf ihrer Stellwand sind die klassischen schwarz-weißen Demonstrationsfotos aus den zwanziger Jahren eingefärbt und mit dem Rosas Konterfei zierenden "rdl"-Logo versehen.

Die Luxemburg als Pop-Ikone à la Che Guevara. Ob die Zeit dafür schon gekommen oder schon vorbei ist?

Thomas Flierl jedenfalls entschied sich für die konventionellere Lösung. Er stimmte für den Siegerentwurf.