Theater

Rettungspaket für die ganze Porno-Industrie

Achtung: die Porno-Industrie ist in der Krise! Der Porno-Verleger Larry Flint und der Sexfilmer Joe Francis haben vom neuen US-Kongress ein staatliches Rettungspaket gefordert.

- Die Wirtschaftsmisere habe den Leuten die Lust am Sex verhagelt. Die Kammerspiele drucken jetzt eine entsprechende Zeitungsmeldung in ihr Programmheft. Das Deutsche Theater hat offensichtlich seine Fühler ausgestreckt und rechtzeitig bei Thomas Jonigk ein problemadäquates Stück in Auftrag gegeben. Dieses führt uns in die hocherogenen Zonen der Branche.

Da dreht eine fortschrittliche Regisseurin (zickig-hysterisch: Katharina Schmalenberg) einen (Kunst-)Film, der im Pornomilieu handelt, angeblich "aus Sicht der Frau". Weil alles schön authentisch aussehen soll, wirken darin Donna Davison und Tom Donkey (!), erfahrene Stars des Genres, und der "Tatort"-Hauptdarsteller und Bundesfilmpreisträger Jan Friedberg (Thomas Huber) mit. Jonigk will dem Zuschauer wohl mal zeigen, dass der eine vorurteilslastige Sicht auf den Pornobetrieb hat. Frau Davison will sich nämlich nicht in die Drehbuch-Klischees einer Sexdarstellerin quetschen lassen. Sie reklamiert für ihre Berufstätigkeit feministisch emanzipatorische Motive. Dem Betrachter schwanen die aufklärerischen Absichten des Autors rasch. Der Witz des Stücks erschöpft sich in Filmtiteln wie "Anale Grande". Auch Penis-Formate spielen eine erhebliche Rolle. Jonigks dramaturgischer Kniff läuft darauf hinaus, tatsächliche Handlung und Film-Szenen ineinander zu blenden. In puncto Humor könnte das Stück ein Rettungspaket gebrauchen. Und das Zentimeterproblem des Pornostars Donkey (Michael Benthin) dürfte hier weniger im Genital- als im Bauchbereich liegen.

Deutsches Theater/Kammerspiele , Schumannstraße 13 a. Mitte. Tel. 284 41 225. Termine: 7., 12., 27.2.