Theater

Ingmar Bergmans Film "Persona" auf der Bühne

Die berühmte Schauspielerin Elisabet Vogler verstummt. Und das ausgerechnet, während sie als Elektra auf der Bühne steht. Schweigt die Dame vorsätzlich, oder verschlägt es ihr buchstäblich die Stimme? Die Dame kommt in ärztliche Behandlung und wird mit der Krankenschwester Alma in ein einsames Ferienhaus verschickt. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Art Hass-Liebesverhältnis.

Es ereignet sich sogar ein Identitäts-Tausch. Wer ist wer? Ingmar Bergmans "Persona" aus dem Jahre 1966 wurde seinerzeit kontrovers diskutiert.

Erwin Leiser erklärte den Film glatt zum bedeutendsten Werk des schwedischen Regisseurs. Andere Kritiker meinten, es sei der banalste, allenfalls "interessant misslungen".

Jetzt holt Philipp Preuss den Stoff in die Box des Deutschen Theaters, wo er bereits einen anderen Film, Fassbinders "Die bitteren Tränen der Petra von Kant", für die Bühne recycelt hatte. Was Bergman wohlweislich unterlassen hat: in aller Breite wird jene Sophokles-Aufführung gespielt, in der Frau Vogler begann, den Mund zu halten. Große Klage der Elektra. Breiter Bericht vom vermeintlichen Tod des Orest. Übertreibungs-Pathos, gleichzeitig ernst, aber auch etwas parodistisch.

Bergman inszenierte ein poststrindbergisches Drama. Preuss aber will unbedingt zeigen, dass er alles ganz genau begriffen hat, was Bergman gar nicht so eindeutig verstanden wissen will. Aber es gelingt ihm nicht, den bewussten Unschärfen Bergmans etwas Vergleichbares entgegenzusetzen. Preuss ortet den womöglichen Schock der Schauspielerin nicht in der Außenwelt, sondern allein in ihrem privaten Versagen als Mutter gegenüber dem ungeliebten Kind. In Analogie zwischen den Sophokles-Szenen und der Haupthandlung sollen wir Frau Vogler als Rabenmama Klytämnestra sehen.

Die Aufführung fällt zwangsläufig weit hinter die Vorlage zurück. Der Titel "Persona" meint einerseits die Maske, welche die Schauspieler des antiken Theaters trugen, aber auch die Dialektik zwischen Rolle und Persönlichkeit. Dass jeder zu jeder Zeit eine Rolle spielt, eine Maske trägt, ist allerdings ein wohlfeiles Klischee. Der Identitäts-Wechsel lässt sich hier nur als Perückenzauber vollziehen, allein schon, weil Almut Zilcher und Valery Tscheplanowa sich nicht vergleichsweise ähnlich sehen, wie dies bei Liv Ullmann und Bibi Andersson im Film der Fall war. Margit Bendokat, als Ärztin, artikuliert zum Schluss mit Ironie in der Stimme durchaus etwas von Bergmans prinzipieller Skepsis gegenüber der Kunst-Rezeption in der Gegenwart. Als ziemlich säuerliche Klytämnestra spricht sie freilich die Worte: "Soll ich nun dieses glücklich nennen oder furchtbar, und doch Gewinn?".

Deutsches Theater/Box . Schumannstr. 13 a. Mitte. Tel. 284 41 225. Termine: 24. 1. und 14. 2.

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