Kino

Mit Nicole Kidman durch "Australia"

Er feierte Erfolge mit Filmen wie "Strictly Ballroom" oder "Moulin Rouge". Am 1. Weihnachtsfeiertag kommt mit "Australia" der neue Film von Baz Luhrmann in unsere Kinos.

Nicole Kidman und Hugh Jackman spielen die Hauptrollen in dieser opulent inszenierten Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs in Australien. Mit Baz Luhrmann sprach Hanns-Georg Rodek.

Berliner Morgenpost:

Sie siedeln Ihr "Australia" 1939 an, und ein Film aus diesem Jahr - "Das zauberhafte Land" - spielt eine große Rolle. Aber der Film des Jahres 1939 wird nicht erwähnt - obwohl er unübersehbar Pate stand...

Baz Luhrmann:

Ja, "Australia" ist in starkem Maße von "Vom Winde verweht" inspiriert: Komik, Romantik, Action, Drama. "Wind" wiederum bezog, so glaube ich, seine Inspiration von "Krieg und Frieden". Ich habe tatsächlich überlegt, ob ich eine Anspielung auf "Vom Winde verweht" unterbringen soll, es aber dann gelassen: Es wäre wohl eine Referenz zu viel gewesen.

1939 war vielleicht der beste Kinojahrgang aller Zeiten...

Es gab auch "The Women" und "Die Spielregel". Und im Jahr danach kamen "Die Früchte des Zorns" und danach "Citizen Kane". Ich frage mich, woran es lag, dass in diesen drei Jahren vor dem Ausbruch des weltweiten Krieges so viele Filme entstanden, die heute Ikonenstatus besitzen. Vielleicht hat es mit einer besonderen Sensibilität im Vorfeld umwälzender Entwicklungen zu tun.

Wir sollten uns also in Acht nehmen, wenn wir eine Ballung guter Filme sehen? Was ist mit 2009?

Meiner Meinung nach sieht es ziemlich dunkel aus. Es wird unglaubliche soziale Unruhen geben, und in zwölf Monaten werden wir die Welt von heute nicht mehr wieder erkennen.

Die ganze Welt?

Australien hat vielleicht das Glück, etwas abseits zu sein. Aber sehen Sie sich um: Aufruhr in Griechenland, Arbeiter verbarrikadieren sich in Fabriken in Chicago, Cholera in Afrika - so viele altgewohnte Mechanismen sind am Zusammenbrechen. Religiöse, soziale, finanzielle Konflikte häufen und verstärken sich gegenseitig. Ich sehe keine Möglichkeit, die Systeme so schnell zu reformieren wie sie jetzt wegbrechen.

In solchen Zeiten suchen die Menschen etwas, woran sie sich klammern können: geliebte Mitmenschen, was Ihr Film erzählt, aber auch ein Land - wovon Ihr Film auch erzählt. Ein Nationalepos also?

Absolut. Aber: "Australia" handelt von Australien ungefähr so, wie "Casablanca" von Casablanca handelt. "Casablanca" ist eine Geschichte von Leuten, die alle vor etwas wegrennen und sich zufällig an diesem Ort treffen, der ihre Gefühle verstärkt. Australien ist für mich eine Metapher für das Weit-weit-Weg-Sein. Nicole Kidman in "Australia", Meryl Streep in "Out of Africa", Peter O'Toole in "Lawrence von Arabien" - sie alle befinden sich in einer persönlichen Krise, fliehen weit weg und werden durch ihre Erfahrungen neue Menschen.

Das stimmt für die Kidman-Figur, aber Hugh Jackman und der kleine Junge, die repräsentieren ein Land.

Die zwei repräsentieren den Ort, der "Australien" genannt wird. Im Film steckt beides.

Sie sind seit Ihrem letzten Film "Moulin Rouge" vor sieben Jahren viel fernab der Heimat durch die Welt gereist...

Ich lebte eine Weile mit meinen Kindern in Paris, und als die gefragt wurden, wo ihre Heimat sei, antworteten sie ungefähr: "Nun, wir haben sechs Monate in Genf gewohnt, und dann machte unser Vater einen Film in New York und..." Das war kein guter Zustand. Die vier Jahre, die ich mit der Produktion von "Australia" verbracht habe, kamen für sie in einer wichtigen Phase ihrer Kindheit: Sie waren dabei, wie ich mit Australiern aller Hautfarben und Herkünfte diesen Film gemacht habe.

"Australia" sieht wie ein 200-Millionen-Dollar-Film aus...

...hat aber nur 130 Millionen gekostet.

Was sind die Vorbilder, aus denen Sie "Australia" komponiert haben?

"Vom Winde verweht", "Giganten", "African Queen".

Das sind alles Filme, die mindestens 50 Jahre alt sind und die in einem Stil gedreht wurden, den das heutige Publikum nicht mehr gewohnt ist.

Absolut wahr. Und, wie mit "Moulin Rouge", haben wir Schwierigkeiten mit dem amerikanischen Publikum. Dort werden nur Filme akzeptiert, welche die bekannte Hollywood-Filmsprache sprechen. Sie haben versucht, "Australia" dort als den neuen "Out of Africa" zu verkaufen. Aber das ist die falsche Entscheidung! Filmdenken in den USA findet dermaßen in Schablonen statt, dass sich etwas außerhalb dieser Schablone kaum mehr vermitteln lässt.

Ist es denn in Europa besser?

Es ist. Dort lassen sich wenigstens zwei Ideen vermitteln statt nur eine einzige. Hoffe ich.

Dieser Film hatte sagenhafte 200 Drehtage, ein deutscher hat normalerweise 40, einer in Hollywood vielleicht 80. Kein Wunder, dass Nicole Kidman ihre Mitwirkung am danach geplanten "Vorleser" absagen musste...

Das ist eine verzwickte Angelegenheit. Sagen wir es so: Ihre Verpflichtungen bei "Australia" hatten mit Sicherheit einen Einfluss darauf, wann sie den "Vorleser" hätte drehen können. Mehr mag ich dazu nicht sagen.