Stadtplanung

Libeskind soll sein Museum erweitern

Das Jüdische Museum möchte schnellstmöglich die gegenüber liegende Blumengroßmarkthalle als Erweiterung seines Standortes an der Kreuzberger Lindenstraße nutzen. "Der Zeitplan ist ehrgeizig" sagt Franz Schulz, der grüne Bezirksbürgermeister von Friedrichhain-Kreuzberg, der das Projekt unterstützt: "Das Museum würde gern in der zweiten Jahreshälfte 2009 Baurecht haben." Bislang haben sich alle an den Verhandlungen Beteiligten öffentlich wohlwollend und zurückhaltend geäußert, um die laufenden Verhandlungen nicht zu belasten.

Das Jüdische Museum ist seit seiner Eröffnung ein Publikumsmagnet in der Stadt geworden. Der Eingang zum Museum befindet sich im ehemaligen Kollegienhaus, dem Altbau von 1735. Hier finden die Wechselausstellungen und Veranstaltungen statt, laden der Museumsshop und das Restaurant Liebermanns ein. Im Herbst 2001 wurde mit dem Libeskind-Bau einer der spektakulärsten Museumsneubauten Deutschlands eröffnet.

Platz für Archiv und Pädagogik

In der Anfangszeit des jungen, innovativen Museums gab es Sorgen, dass nicht mehr genügend Ausstellungsstücke für ein großes Museum vorhanden sein könnten. Immerhin liegt die Bruttogeschossfläche der beiden Gebäude bei 18 500 Quadratmetern, die reine Ausstellungsfläche im Altbau bei 1300 Quadratmetern und im Neubau bei 4000 Quadratmetern. Mittlerweile aber haben die Sammlungen ein eigenes Gewicht bekommen, obendrein findet ein umfangreiches Bildungsprogramm für Kinder und Erwachsene statt. Ein Teil der Mitarbeiterbüros sind im nahe gelegenen Patentamt untergebracht. Eine Erweiterung für Archiv, Forschung und Pädagogik liegt nahe.

Zuvor aber muss das Bezirksamt den geltenden Bebauungsplan für das Gelände ändern, der eine Sonderfläche Blumengroßmarkt festschreibt. Auch die bebaubaren Randflächen müssen umgewidmet werden. Die Gespräche zwischen dem Jüdischen Museum, dem Bezirksamt und dem Liegenschaftsfonds laufen. Außerdem gebe es Gespräche mit Kulturstaatssekretär André Schmitz. Bürgermeister Schulz sagt, er habe in der vergangenen Woche mit Museumsdirektor W. Michael Blumenthal gesprochen.

"Es gibt erste architektonische Überlegungen", sagt Schulz. Das Museum will den neuen Standort im Blumengroßmarkt über die Lindenstraße hinweg mit dem alten verbinden. "Ein Brückenschlag wird gefunden werden müssen", sagt Schulz. Der amerikanische Architekt Daniel Libeskind, der bereits den Museumsneubau entworfen hatte, solle für das Vorhaben gewonnen werden. Das Grundstück ist etwa 24 000 Quadratmeter groß. Es gehört der Berliner Großmarkt GmbH (BGM), deren einziger Gesellschafter das Land Berlin ist. Die BGM möchte mit dem Verkauf der Fläche die Kosten für den Neubau der Blumenhalle auf dem Gelände an der Beusselstraße finanzieren. "Es gibt noch keine Verkaufsverhandlungen", sagt Andreas Foidl, Geschäftsführer der BGM. Doch bis Ende 2010 sollen alle Händler die Halle verlassen haben und das Grundstück geräumt sein.

Zweidrittel fürs Jüdische Museum

Die Halle sei etwa 6500 Quadratmeter groß, die Innenfläche habe etwa 5500 Quadratmeter, sagt Foidl. Sie stamme aus den Sechzigerjahren und sei in gutem baulichem Zustand. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will sich auch mit den so genannten Mantelflächen der Halle beschäftigen. Der Liegenschaftsfonds als Geschäftsbesorger der BGM habe nachgefragt, ob diese Flächen bebaubar seien, sagt Bezirksbürgermeister Schulz. Doch dafür würde nur wenig Platz bleiben, weil Sicherheitsaspekte für das Jüdische Museum berücksichtigt werden müsse. "Große städtebauliche Gymnastik" sei nicht möglich.

Das Jüdische Museum will nur etwa zwei Drittel der Blumengroßmarkthalle nutzen. Was mit der restlichen Fläche passiert, ist noch offen. Wenn die Halle insgesamt an das Jüdische Museum übergehe - dies zeichne sich ab -, dann könne das Museum diese Frage allein klären. "Die Restfläche würde ausreichen für die Kunsthalle Berlin", empfiehlt Schulz, "falls es mit dem geplanten Neubau am Humboldthafen nicht klappt." Die dauerhafte Kunsthalle wäre hier städtisch sehr gut eingebunden im multikulturellen Stadtteil Kreuzberg, sagt Coco Kühn, die Initiatorin und künstlerische Beraterin der Temporären Kunsthalle Berlin. Sie läge in bester Nachbarschaft mit dem Check Point Charlie sowie den Galerien der Zimmerstraße, Kochstraße und Lindenstraße. "Die Doppelnutzung des Blumengroßmarktes sowohl für das Jüdische Museum als auch für die geplante, dauerhafte Kunsthalle Berlin ist ein kluges Modell", betont Kühn.