Wortskulpturen

Bei uns öffnet kein Museum mehr seine Pforten. Das Lachen, das dem Kabarett-Besucher im Halse stecken bleibt, hat ebenfalls ausgedient. Und dass eine Popgruppe ein Phänomen ist, braucht auch nicht extra erwähnt zu werden - sonst würden wir ja nicht über diese Künstler berichten. Nur drei beliebige Beispiele für überkommene Formulierungen, derer sich unsere Mitarbeiter gern bedienen. Und die in der Redaktion, im Idealfall zumindest, der kritischen Textbearbeitung zum Opfer fallen. Nicht zufällig kommt die Berufsbezeichnung Redakteur von "redigieren". Als optimale Hülse für ausgediente Wörter und abgedroschene, sprich museumsreife oder auch unfreiwillig komische Phrasen dürfte sich demnächst das einzige virtuelle Wortmuseum in Deutschland erweisen. Der Braunschweiger Designer Kay-Uwe Rohn will auf "das Phänomen Wort" hinweisen. Im Internet präsentiert er zurzeit so interessante Exponate wie "somnambul", "mäandern" oder "Parforceritt", künftig will der gelernte Grafikdesigner in Sonderausstellungen Worte und Fotos zu Wortskulpturen verknüpfen. Täglich, so sagt er, würden bis zu zehn E-Mails mit Vorschlägen eintreffen. Das ließe sich sicher steigern, wenn die Kunde von Rohns Spielfeld erst einmal alle deutschen Redaktionsstuben erreicht hat. Skurrile Wortskulpturen wie "Wo sie hinsingt, bleibt keine Gänsehaut unaufgerichtet" oder "Den Musikern bereiteten die Schwierigkeiten keinerlei Probleme" schicken wir künftig nicht mehr in den Papierkorb. Sondern per Mail zu www.identitaetunddesign.com .