Theater

Tanzende Hakenkreuze im Admiralspalast

Als das nazi-verulkende Musical "The Producers" 2001 am Broadway startete, wurde es von der Kritik gefeiert. Und das Publikum reagierte erwartungsvoll: Tickets im Wert von drei Millionen Dollar sollen bereits am ersten Tag nach der Premiere verkauft worden sein.

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Von einem ähnlichen Erfolg träumt jetzt der Admiralspalast. Dort ist das schräge Musical aus der Feder von Mel Brooks ab dem 15. Mai 2009 zu sehen, wie gestern auf einer Pressekonferenz angekündigt wurde. Der Vorverkauf läuft bereits. Schließlich steht Weihnachten vor der Tür.

Bei den "Producers" steht eine dralle Blondine aus Schweden vor der Bürotür. Sie will gecastet werden. Die beiden jüdischen Geschäftsleute hatten kurz zuvor beschlossen, mit einem geplanten Musical-Flop das große Geld zu machen. Der Autor, ein mit Lederhose und Stahlhelm bekleideter schuhplattelnder Hitler-Verehrer, hatte schließlich zugestimmt, nachdem die Produzenten überzeugend in die Liedzeilen "vorwärts im Stechschritt, rückwärts im Stechschritt, hoch die Hand zum deutschen Gruß" eingestimmt hatten. Und für die Nazi-Tingeltangel-Produktion mit getanztem Hakenkreuz kommt die unbegabte Blondine gerade wie gerufen. Dann geschieht aus Sicht der Produzenten das schier Unglaubliche: Das schlechteste Musical der Welt wird ein Erfolg.

Falk Walter, dem Chef des Admiralspalastes, ist mit der Verpflichtung der Wiener Produktion ein Coup gelungen. Denn wo, wenn nicht in Berlin, gehört "Frühling für Hitler", so heißt das Musical im Musical, auf die Bühne? Lange Zeit hatte Stage Entertainment, der große deutsche Musical-Produzent mit guten Kontakten zum Broadway, gezaudert. Darf man über Hitler lachen? Noch dazu in der ehemaligen Reichshauptstadt? Schließlich bekamen die Vereinigten Bühnen Wien den Zuschlag für die deutschsprachige Erstaufführung.

Im Ronacher Theater kam "The Producers" in diesem Sommer heraus. Auch wenn Ronacher-Intendantin Kathrin Zechner gestern im Admiralspalast versicherte, dass die Inszenierung in Österreich gut lief und auf die 70-prozentige Auslastung verwies: Gegen diese positive Einschätzung spricht die Tatsache, dass die Show in Wien nur noch bis zum 22. Februar gezeigt wird. Eine Aufführungsdauer von knapp acht Monaten ist für einen Broadway-Hit und eine deutschsprachige Erstaufführung doch recht enttäuschend. Finanzkrise hin, Finanzkrise her. Der "König der Löwen" läuft in Hamburg seit Jahren und sollte der soeben herausgekommene "Der Schuh des Manitu" im Theater des Westens bereits nach acht Monaten abgesetzt werden, würde man auch von einem Flop sprechen.

Umso gespannter darf man sein, wie die Musical-Comedy in Berlin ankommt. Falk Walter hat die Show, die mit 12 Tony Awards ausgezeichnet wurde, vorsichtshalber erst für zwei Monate angesetzt - allerdings mit Option zur Verlängerung. Gezeigt wird die vom Broadway-Team inszenierte Wiener Aufführung, wobei das Bühnenbild "etwas verkleinert werden muss", wie Walter gestern sagte. Das 15-köpfige Orchester kommt aus Berlin.

Mit dieser Koproduktion, wie das Gastspiel jetzt offiziell heißt, wandelt sich der Admiralspalast langsam zum Musical-Theater. "My Fair Lady", die erste Eigenproduktion, die im August herauskam und anschließend unter anderem in München gastierte, wird nächste Woche wieder aufgenommen. Und Musical-Produzent Maik Klokow, der Stage Entertainment vor knapp einem Jahr verließ, hat sich schon im Admiralspalast umgeschaut. Vielleicht kommt das von ihm produzierte Monty-Python-Musical "Spamelot", das Ende Januar in Köln herauskommt, auch bald nach Berlin.