Theater

Aschenbrödel studierte bei Heidi Klum

Dass in der DDR nicht alles schlecht war, zeigt das Weihnachtsfest. Spontane Umfragen unter Berliner Eltern mit lebendigen Wurzeln in den alten Bundesländern haben folgendes ergeben: Die Familie guckt nicht mehr "Der Kleine Lord". Sondern "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", einen tschechisch-ostdeutschen Gemeinschaftsfilm von 1973.

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Das hat Gründe. Erstens: Aschenbrödel wirkt bei allem Liebreiz wie eine moderne Frau, die schießt und reitet und sich selbst erfindet. Zweitens: Eigentlich möchte ihr Prinz noch nicht erwachsen werden. Man erkennt sich wieder. Auch die Kinder ahnen wohl, was auf sie zukommt.

Zeitgemäß ist auch, dass sich Erfolgsstoffe in Musicals verwandeln. Unablässig sorgt dafür der Autor Christian Berg. Nun bringt er parallel den "Kleinen Lord" und die "Drei Haselnüsse" auf Berliner Bühnen. "Aschenbrödel", im Schiller Theater, liegt um einige Tage vorn. Und um die Vorlage noch enger mit dem heutigen Alltag zu verknüpfen, tritt ein Aschenputtel aus dem Fernsehen auf als Aschenbrödel: Wanda Badwal belegte bei "Germany's Next Topmodel" den fünften Platz. Erfolgreicher war sie in Hamburg, an der Bühnenschule, dort erwarb sie ein Diplom. Die Synergie von Studium und Pro7-Heidi-Klum verschaffte ihr die erste Bühnenrolle. Sie füllt diese Rolle zwar nicht mühelos, aber sie füllt sie aus.

Ein adaptierter Märchenfilm

Das liegt auch an der kargen, knappen Inszenierung. Andere Musicals setzen auf Überwältigung. Der adaptierte Märchenfilm verlässt sich auf ein überschaubares, achtköpfiges Ensemble, einen sprechenden Pferdekopf und eine ferngelenkte Eule. Aufwändige Umbauten sind nicht erforderlich. Das Bühnenbild ist Schloss und Kochstube in einem. So spartanisch hätte sich diese Geschichte umso anrührender singen, tanzen und erzählen lassen. Wäre sie nicht auf den Kern geschrumpft, den man bereits von Grimm und Disney kennt: den Aufstieg eines armen Dings.

Von Tugenden wie Selbstbewusstsein (Aschenbrödel), mangelndem Ehrgeiz (Prinz) und Führungsschwäche (König) wird vom Stallknecht nebenher berichtet. Dafür wird gezaubert und eine La-Ola-Welle angezettelt. Rotkäppchen verirrt sich in die falsche Vorstellung. Am Ende gibt es aber auch eine Moral: "Unsere Kinder brauchen echte Märchen. Keine aus dem Fernsehen." Und was wird jetzt aus dem Weihnachtsfilm?

Schiller-Theater , Bismarckstr. 110, Tel. 479 97 477 Termine: 5.-7., 10.-14.12.