Fernsehen

Heidenreich will weiter lesen

Elke Heidenreich will am Freitag verkünden, bei welchem Sender sie künftig ihre Büchersendung platzieren wird. Der Wechsel wurde wie ein Triumph angekündigt, dabei zeichnet sich ein Abstieg ab. Die anderen großen Sender haben abgewunken.

Immerhin: Der Eklat um die Person Elke Heidenreich und ihre vom ZDF abgesetzte Büchersendung "Lesen!" beleuchtet ein Genre im Fernsehgeschehen, das sonst eher ein Nischendasein führt. Und genau genommen an einzelnen Moderatoren-Persönlichkeiten wie eben Frau Heidenreich hängt.

Zwar ist ein gutes Buch immer noch die beste Vorlage für einen ebenfalls guten Fernsehfilm, doch im Medium Fernsehen einen Lese-Tipp zu platzieren, bleibt ein Minderheiten-Programm. So freut man sich beim Bayerischen Fernsehen bereits über einen Marktanteil von 2,9 Prozent für das Büchermagazin "LeseZeichen" , wie er an diesem Montag erzielt wurde.

Es bleibt ein Nischenprogramm

Beim NDR, der gerade mit "Lauter Lyrik" eine eher buntere Sendung versuchte, beschränken sich Literatur-Hinweise auf die Bücherecke im "Kulturjournal" sowie sechs Mal im Jahr das "Bücherjournal", das nächste Mal wieder am 8. Dezember. Sporadisch veranstaltet der Hamburger Sender auch Lyrik-Matineen, die sich monothematisch mit einem Autor beschäftigen.

Als erfrischend anders wird in der Branche ARD-Moderator Denis Scheck gefeiert, der schon mal zu einem isländischen Autor ins Wasser steigt oder Titel der Spiegel-Bestsellerliste in eine Mülltonne versenkt. "Druckfrisch", das von WDR, HR, NDR und BR produziert wird, wartet jeden ersten Sonntag gegen 23.30 Uhr im Ersten auf, zum nächsten Mal am 7. Dezember.

"Entscheidend sind die Personen", ist die Beobachtung von SWR-Literatur-Redakteur Frank Hertweck. Persönlichkeiten wie Elke Heidenreich, Marcel Reich-Ranicki oder wie beim SWR die Berliner Krimiautorin Thea Dorn sorgen für eine gute Einschaltquote. Der Sender im Südwesten der Republik hat mit "Literatur im Foyer" eine anerkannte Sendung im Programm, die von diesem Freitag an neben Thea Dorn von einer weiteren Moderatorin präsentiert wird: Felicitas von Lovenberg, ihres Zeichens frisch gebackene Literaturchefin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wie schon einst Marcel Reich-Ranicki. Der hatte mit dem streitbaren "Literarischen Quartett" im ZDF eine Lanze für das gute Buch geschlagen, wofür ihm die Verlagslandschaft heute noch dankbar ist.

Bei der SWR-Sendung "Literatur im Foyer" werden Autoren im Einzelgespräch vorgestellt, "wobei auch unbekannte Autoren vor der Kamera gut agieren können müssen", so Hertweck. Für 2009 sind wie bisher auch Themenrunden, z.B. zum Mauerfall, geplant. Elke Heidenreich, die sechs bis acht Mal pro Jahr ausgesuchte Lese-Empfehlungen gab, hat angekündigt, ein ähnliches Konzept wie "Lesen!" bereits ab nächster Woche auf einem anderen Sender weiterzuführen. "Bei uns nicht", winkt der Privatsender RTL ab, der mit der Buchkritikerin zumindest den Arbeitsort teilt. Auch beim Nachrichtensender n-tv, der in Köln und Berlin aufgestellt ist, ist laut Sprecher Holger Abel keine Sendung mit Heidenreich geplant. Neue Formate drehen sich eher um Wirtschaftsthemen wie ein Börsenspiel mit Manuel Andrack (dem ehemaligen Sidekick in der "Harald Schmidt Show") , das im Dezember startet.

Lieber Comedian als Schriftsteller

Auch beim RBB in Berlin "ist nichts Derartiges geplant", so eine Sprecherin. Dort findet Literatur im Kulturmagazin "stilbruch" statt. Der in Köln beheimatete WDR verweist in Sachen Literatur-Tipp auf die regelmäßige Bücher-Empfehlungen in "frauTV" von Christine Westermann und auf ein Format mit Jürgen von der Lippe, das als "Literarische Comedy" bezeichnet wird und vom 7. Dezember an mit neu produzierten Folgen läuft. Gäste sind allerdings eher Comedian als Schriftsteller. "Es gab und gibt keine Gespräche mit Frau Heidenreich über die Weiterführung von "Lesen!" im WDR, betont eine Sprecherin. Dann bliebe noch das öffentlich-rechtliche Gemeinschaftsprogramm 3Sat, das bisher die "Kulturzeit" hat, aber zur Hälfte vom gekränkten ZDF getragen wird. Oder das deutsch-französische Programm Arte. Am Freitag wird es Elke Heidenreich verraten.

Beim ZDF wird ihre "Lesen!"-Lücke am späten Freitagabend mit dem Kulturmagazin-Klassiker "aspekte" gefüllt. Eine neue Literatursendung soll es ab 2009 aber definitiv geben. Wie und mit wem, bleibt noch Spekulation. Eine illustre Liste wird in der Branche gehandelt. Darauf stehen Namen wie die Berliner Autorinnen Thea Dorn und Julia Franck, Wladimir Kaminer, ebenfalls ein Berliner, selbst Leute wie Helmut Karasek, Roger Willemsen und Harald Schmidt werden genannt. In Mainz wird jede Anfrage abgeblockt - man sei schließlich "noch in der Planungs- und Konzeptionsphase."