Architektur

Museumsinsel: Baustopp gefordert

Über den "artgerechten" Umgang mit historischer Bausubstanz kann man trefflich streiten. Bei der geplanten Sanierung des Zuschauersaals der Staatsoper setzten sich die Bewahrer durch - jetzt soll der Raum so bleiben, wie er vor gut 60 Jahren von Richard Paulick im Knobelsdorffschen Geiste errichtet worden ist.

- Vielleicht finden sich auch noch in irgendeinem Depot die Originalfarben aus dem letzten Jahrhundert, dann könnte die geplante "Pinselsanierung" noch etwas authentischer werden.

Möglicherweise hat das erfolgreiche bürgerschaftliche Engagement, das einen Neubau des Zuschauersaals verhindert hat, der Gesellschaft Historisches Berlin neue Hoffnung gegeben. Der Verein kritisiert seit langem die Restaurierungspläne des britischen Architekten David Chipperfield auf der Museumsinsel. Chipperfield lehnt es ab, verloren gegangene Bausubstanz zu rekonstruieren. Anstelle des einstmals prächtig verzierten Treppenhauses gibt es im Neuen Museum künftig einen schlichten Aufgang aus Beton. Die Arbeiten sind allerdings schon weit fortgeschritten, das Haus soll im kommenden Jahr eröffnet werden.

Die Gesellschaft Historisches Berlin fordert jetzt eine Aufnahme der Museumsinsel in die Unesco-Liste bedrohter Welterbestätten und einen sofortigen Baustopp auf der Insel, bis die Unesco alle Unterlagen geprüft habe. Denn bei der Bewerbung um den Welterbestatus Ende der neunziger Jahre seien offenbar falsche Angaben gemacht worden. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) als Träger und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hätten die Unesco hinsichtlich modern gehaltener Restaurierungspläne "systematisch in die Irre geführt", kritisierte Vereinsvorsitzender Bernd Wendland. Eine Sprecherin der SPK nannte die Vorwürfe "absurd". Die Behauptungen entbehrten jeglicher Grundlage und eigneten sich für die SPK nicht zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung.

( skin )