Harald Schmidt spielt Molière - und wird kaum erkannt

"Nur hier herein": Das waren verbürgtermaßen die einzigen Worte, die Harald Schmidt bei seinem ersten Bühnenengagement anno 1981 zu sprechen hatte, in Augsburg als erster Mameluk in Lessings "Nathan".

"Nur hier herein": Das waren verbürgtermaßen die einzigen Worte, die Harald Schmidt bei seinem ersten Bühnenengagement anno 1981 zu sprechen hatte, in Augsburg als erster Mameluk in Lessings "Nathan". Auch wenn er seither eher als Kabarettist und TV-Entertainer brillierte, scheint er sich öfter an diese Zeile zu erinnern. Und kehrt immer mal wieder "hier herein" zur Bühne zurück - ob 2002 als Knecht Lucky im viel belacht-beachteten "Warten auf Godot" am Bochumer Schauspielhaus oder kurz darauf als Rüstungsmagnat in Daniel Besses "Direktoren" im selben Haus. Damals wurde er sogar als festes Mitglied des Ensembles aufgenommen, ohne dass sich das freilich groß im Repertoire niedergeschlagen hätte. Noch immer ist Schmidt vor allem in der Glotze präsent - auch wenn er demnächst in der "Schmidt-Show" mit Oliver Pocher einen potentiellen Konkurrenten an der Seite hat.

Nun tauchte Schmidt wieder auf der Bühne auf. Und nicht etwa in Bochum. Sondern in Frankfurt-Höchst. Im Bolongaro-Palast. Und erst mal hat's kaum einer gemerkt. Wie auch: Schmidt sprang für den verhinderten Schauspieler Ulrich Müller-Braun ein. Und schlüpfte in gleich drei Vorführungen von Molières "Der eingebildete Kranke" in die Rolle des Dr. Diafoirus. Mit barocker Perücke und Pudergesicht. Schmidt habe seinen Part "sehr ordentlich" gemacht, befand Ulrich Müller-Braun, der Sprecher des Theaterfestivals "Barock am Main". Es habe nur "einen kleinen Texthänger" gegeben. Da muss man ihn in Schutz nehmen: Schließlich wurde der Klassiker in Mundart gegeben, also auf Hessisch, während Schmidt bekanntermaßen aus Neu-Ulm stammt und prompt ins Schwäbische rutschte. Molière wäre wohl beides reichlich spanisch vorgekommen.

Auf den Besetzungscoup war übrigens Michael Quast gekommen, der die Titelrolle spielt. Quast war einst mit Schmidt auf der Stuttgarter Schauspielschule - und fühlte sich dabei wohl an den einstigen Studienkollegen erinnert. Denn Schmidt ist eingestandenermaßen Hypochonder. Und spielt nun im "Eingebildeten Kranken" einen Arzt, der einen Leidensgenossen behandelt. Eine echt Schmidtsche Pointe: So kann man sich selbst besiegen und von sich reden machen. Und muss nicht, wie ein Stefan R. aus dem Konkurrenzkanal, in einen Boxring steigen, oder wie ein Thomas G. in einen peinlichen Badeslip.