Konzert

Garrett bringt Philharmonie zum Schluchzen

Keine Jeans diesmal. Kein hängender Hosenboden. Erst recht keine netten Plaudereien zwischendurch. David Garrett, der omnipräsente Crossover-Geigenstar, wirkte bei seinem Kammermusikauftritt in der Philharmonie wie ausgewechselt. Mit konventionellem Ernst und einer ordentlichen Portion Lampenfieber trat er vor seine sichtlich irritierten Fans.

Garretts großartige Begleiterin Milana Chernyavska kümmerte sich dabei rührend um ihn. Als seine Stradivari in Beethovens Violinsonate G-Dur Opus 96 herzerweichend zu keuchen begann, verwandelten sich die feingesponnenen Klangteppiche der Pianistin in ein weiches Krankenbett. David Garretts geschundene Künstlerseele brach umso stärker im heiser gedämpften, aber heftig pulsierenden Brahms-Scherzo hervor.

Ein Teil der Garrett'schen Fan-Fraktion sah die Philharmonie dabei ganz offensichtlich zum ersten Mal von innen. Es wunderte sich sehr über die seltsamen Gepflogenheiten bei klassischen Konzerten. Es war verdutzt darüber, dass David Garrett und Milana Chernyavska zwischen den Werken die Bühne verließen. Und es rief, jeglichen Takt missachtend, schon während des offiziellen Programms lautstark nach Zugaben.

Erst in der zweiten Hälfte fand Garrett, von seinen Fans ermuntert, zu seiner gewohnten Lässigkeit. Nach Edvard Griegs dritter Sonate, die noch sehr nach verwitterter Baustelle klang, drehte Garrett endlich auf - mit Sarasates verteufelt schweren Zigeunerweisen op. 20. Hier kam er aus sich heraus, ging förmlich aufs Publikum zu, stellte seine atemberaubende Virtuosität genüsslich zur Schau. Der angeblich schnellste Geiger der Welt - er verschluckte keine einzige Sechzehntelnote. Und flirtete nebenbei schelmisch mit seinem verzückten Publikum.

In Bazzinis "Tanz der Kobolde" zog Garrett dann die Temposchraube noch einmal kräftig an. Am Ende gab es stehende Ovationen nach seinem romantisch dahingeschluchzten "Salut d'amour" von Edward Elgar. So mancher Zuhörer hatte dabei leise mitgesummt.