Eine Herzensangelegenheit

Der Unternehmer und Kunstsammler Hartwig Piepenbrock ist in Berlin vor allem wegen seiner 1988 gegründeten Kulturstiftung bekannt.

Der Unternehmer und Kunstsammler Hartwig Piepenbrock ist in Berlin vor allem wegen seiner 1988 gegründeten Kulturstiftung bekannt. Alle zwei Jahre vergibt diese den "Piepenbrock Preis für Skulptur". Zuletzt ging der höchstdotierte Skulpturenpreis Europas an Rebecca Horn, Felix Schramm erhielt den Förderpreis. Der junge Bildhauer ist auch in der Privatsammlung von Hartwig und Maria-Theresia Piepenbrock vertreten. Aus dem Bestand von 650 Gemälden, Skulpturen und Druckgrafiken zeigt die Berlinische Galerie jetzt erstmals in Berlin eine repräsentative Auswahl. Über seine Kunstleidenschaft sprach Andrea Hilgenstock mit dem Sammler.

Berliner Morgenpost: In Berlin gewähren Sie jetzt erstmals Einblick in Ihre Privatsammlung. Wo liegen die Ursprünge?

Hartwig Piepenbrock: Ich sammle seit knapp 30 Jahren. Den Begriff hat eigentlich das Finanzamt entwickelt - ab 160 Werke war es eine Kollektion. Dadurch können wir die Kunst nicht mehr abschreiben. Aber wir sammeln ohnehin privat und haben die Bilder und Skulpturen zuhause, im Büro und der Firmenverwaltung in Osnabrück.

Wie haben Sie angefangen?

Mit Expressionisten fing ich an. Die haben mich bewegt, wurden mir aber schnell zu teuer. Die Jungen Wilden kamen danach und die Auseinandersetzung mit dem Informel. Seit 1988 vergebe ich den mit 50 000 Euro dotierten "Piepenbrock Preis für Skulptur", sammle Plastiken und mit der Wende, 1989, wuchs das Interesse an dem Maler Bernhard Heisig und anderen Künstlern der ehemaligen DDR.

Ist Ihnen Skulptur lieber als Malerei?

Ja, die Skulptur steht im Wege, Malerei kann man wegnehmen. So eine Plastik wie die von Alf Lechner in unserem Park wiegt 40 Tonnen oder die von Ulrich Rückriem 20 Tonnen - da muss man auch einen Sinn für haben, wo man solche Werke platziert.

Was sagt denn Ihre Frau dazu? Haben Sie beide den gleichen Geschmack oder schreitet sie manchmal ein, wenn Sie wieder Geld ausgeben wollen?

Einschreiten tut sie nicht. Mit Heisig kann sie nichts anfangen, aber trotzdem ist er in meinem Bestand. Dafür hat sie für einen beweglichen Schmetterling von Rebecca Horn votiert. Wir werden uns also handelseinig.

Wie viel investieren Sie jährlich in die Kunst?

200 000 bis 300 000 Euro.

Die gezeigte Auswahl offenbart drei Schwerpunkte: die abstrakte, westdeutsche Nachkriegskunst, die figurative, ostdeutsche Kunst sowie Skulptur des 20. Jahrhunderts. Welches sind Ihre Lieblinge?

Das erste Bild, das ich 1979 gekauft habe, war "Am Deich" von Emil Nolde. Es ist eigentlich mein Lieblingsbild, weil es auch das erste war, was ich mir leisten konnte. Ich habe eine relativ stattliche Auswahl von Gemälden Ernst-Wilhelm Nays. Darüber hinaus begeistert mich die expressive Malerei von Heisig, dem ich auch Porträt gesessen habe, und Dani Karavans Skulptur, die für den historischen Ort der Villa Lemm geschaffen wurde, in der Albert Einstein oft zu Gast war.

Von welchem Werk mochten Sie sich kaum trennen?

Das blaue Bild von Emil Schumacher wollte ich erst nicht ausleihen, weil es so empfindlich ist, und meine Frau das Kissenbild von Gotthard Graubner. Auch die kleinen Bronzen von Henry Moore gebe ich sonst ungern her. Wir leben mit Kunst. Die Werke sind mir eine Herzensangelegenheit.

Als Sammler und Förderer deutscher Skulptur interessieren Sie sich auch für zeitgenössische Positionen, etwa von Thomas Rentmeister. Wie ist Ihr Eindruck, befindet sich die Skulptur - auch Dank Ihres Engagements - im Aufwind am Kunstmarkt?

Ich finde, dass sich die Skulptur aus einem Tief heraus wieder gut entwickelt hat. In der Ausstellung liegt z.B. eine Rentmeister-Arbeit, die sich sonst als Dauerleihgabe im Hamburger Bahnhof befindet.

Warum zeigen Sie erst jetzt erstmals Ihre Arbeiten in Berlin?

Der Direktor der Berlinischen Galerie machte mir ein entsprechendes Angebot.

Gibt es Ambitionen für ein eigenes Museum oder einen dauerhaften Platz in der Öffentlichkeit?

Nein, weil eine Privatsammlung in öffentliche Museen nicht reingehört. Dauer-Leihgaben kann man ja geben.

Berlinische Galerie

, Alte Jakobstr. 124-128, Kreuzberg. Tel.: 789 02 600. Bis 27. August. Mi - Mo 10 - 18 Uhr.