Filme zum Reinhören

| Lesedauer: 3 Minuten
Peter Zander

So was kennt man sonst nur von fertigen Filmen. Da sind Testvorführungen durchaus üblich, vor neutralem Publikum.

So was kennt man sonst nur von fertigen Filmen. Da sind Testvorführungen durchaus üblich, vor neutralem Publikum. Zum Grausen des Regisseurs und zum Wohl des Produzenten, denn danach heißt es oft: Die Szene muss raus! Oder gar: neu gedreht werden! Das kann im Admiralspalast nicht passieren. Denn die Filme, die hier getestet werden, gibt es noch gar nicht. Hier werden Drehbücher vorgelesen: ein Testlauf, noch bevor die erste Klappe fällt.

Oliver Jahn ist ein bisschen nervös. Er ist nicht nur einer der Autoren, die "Die Eisbombe" geschrieben haben: das Werk, mit dem die neue Reihe eingeleitet wird. Nein, am späteren Abend wird im ZDF auch noch die erste Folge von "Ijon Tichy: Raumpilot" ausgestrahlt, wo er auch das Drehbuch schrieb und Co-Regie führte. Jetzt ist er hier, ohne Co-Autorin Stéphane Bittoun, und hat seine Dialoge auch noch nie szenisch zu hören bekommen.

Aber bitte: Was für eine Besetzung, die da gestern im stickigheißen kleinen Saal des Admiralspalastes sitzt. Unter anderen Angela Winkler, Heikko Deutschmann, Tismer und Hannah Herzsprung, seit "Vier Minuten" derzeit die Top-Entdeckung. Von solcher Prominenz kann das künftige Fernsehspiel nur träumen. "Die Eisbombe" ist eine schwarze Komödie über eine abtrünnige Flugzeugtoilette, die in ein Familienhaus einschlägt und nicht nur einen Dachschaden erzeugt.

Das ist natürlich auch ein hübscher interaktiver Prozess, wenn sich die Darsteller in ihre Rollen finden und teils nicht nur sprachlich miteinander kommunizieren. Und sich, teils rampensäuisch, in die Improvisation stürzen. Vor allem aber ist dies der Abend für eine Gattung, die sonst stiefmütterlich behandelt, nein - sträflich vernachlässigt wird: die Regieanweisung. Sie wird im fertigen Film umgesetzt, also verschwunden sein. Hier aber hält sie alles zusammen. Und Herbert Fritsch, der sie liest, wird zum Star des Abends, wie er sich da in Rage rezitiert. Ehrenrettung für ein stiefmütterlich behandeltes Literatursegment! Und Szenenapplaus für ihren passionierten Verkörperer. Auch wenn die übertriebene Situationskomik dem anwesenden Autoren nicht immer ganz behagt.

Am Ende darf dann das Publikum (darunter viele Jungmimen) seine Meinung kundtun. Ob er den Film "unbedingt", "eher nicht" oder nur "an einem dieser Sonntage" gucken würde. Man kann nur hoffen, dass der Film auch einmal so vergnüglich sein wird.

Die Idee wurde oft kopiert, das Original gab's bis vor drei Jahren. Damals, noch im Tränenpalast, waren die "Readings", wie das schön neudeutsch heißt, indes Werken aus dem Giftschrank gewidmet, ergo Scripts, die nie das Licht der Leinwand erblickten. Und der Zuhörer durfte selbst entdecken, ob da ein Meisterwerk unerkannt blieb oder zur Recht verschmäht wurde. In der wieder belebten Reihe "Neues von der Teststrecke" werden nun Bücher präsentiert, die sehr wohl verfilmt werden. Vom ZDF, als "Kleines Fernsehspiel". Die Mainzer lauschen hier schon mal, wie das Publikum so reagiert, Ganz wie die großen Filmmoguln.

Readings

Nächste Termine: am 23. April und 21. Mai. Infos unter www.readings.de