Sebastian Nordmann

"Am Anfang steht immer die Idee"

Wenn sich ein neuer Intendant vorstellt, wird natürlich zuerst auf Herkunft und Erfahrungen geschaut. Dabei sollte man gerade in Berlin lieber danach fragen, in welcher Institution der Stadt der Neue seine größte Konkurrenz sieht? Sebastian Nordmann, der ab September 2009 das Konzerthaus am Gendarmenmarkt für zunächst fünf Jahre leiten wird, müsste die größte Konkurrenz, das Maß aller künstlerischen Dinge, in den übermächtigen Philharmonikern sehen oder vielleicht auch in Barenboims Staatskapelle gleich gegenüber in Mitte.

Aber Nordmann winkt in seinem jungenhaften Charme ab: "Der größte Konkurrent bleibt die Erlebniskultur in einer Großstadt", sagt er. Eben alles, was das Publikum verführt, nicht in klassische Konzerte zu gehen. Weswegen er in den Philharmonikern auch lieber Gesprächspartner sehen möchte. Die vielfältigen Konversationen will Nordmann, derzeit noch Chef der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, bereits in den nächsten Monaten führen.

Ein eleganter Kulturmanager

An der Antwort mag schon zu ermessen sein: Sebastian Nordmann ist ein gewandter, nobler Gesprächspartner. Klaus Wowereit, der gestern höchstselbst den neuen Intendanten in Schinkels Schauspielhaus einführte und vor allem auf den Generationswechsel hinwies, weiß womöglich gar nicht, das er sich einen der brillantesten, charismatischsten Kulturmanager dieser neuen Generation nach Berlin verpflichtet hat.

Sebastian Nordmann wurde 1971 in Kiel geboren, studierte Musikwissenschaft und Neuere Geschichte, promovierte schließlich in Berlin über das Thema "Der Einfluss des Schleswig-Holstein Musik Festivals auf die Musiklandschaft Schleswig-Holsteins". Mittlerweile lehrt er, der Vater von drei Kindern, als Professor für Kulturmanagement in Rostock.

Nordmann ist im Herzen ein Festivalmacher, einer, der Glamour, Business und Tradition in Übereinstimmung bringen möchte. Im Herzen mag er auch sehr wertebewusst sein. Und er ist einer, der über beste Kontakte verfügt, von denen wohl künftig auch das ewig unterfinanzierte Konzerthaus zehren könnte. Nordmann war zwei Jahre Unternehmensberater der Boston Consulting Group und ist seit 2002 Intendant und Geschäftsführer der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Seither überschlägt sich das Festival, das mit über 100 Konzerten an 70 Spielstätten aufwartet, mit Rekorden. Man kann sagen, dass Nordmann es zum innovativsten Musikfestival Deutschlands geformt hat. Und alles, was in der Interpreten-Generation um die 40 Rang und Namen hat, trifft sich in den Scheunen und Schlössern.

Einer der Jungstars wird übrigens sein Nachfolger im Norden: Der britische Geiger Daniel Hope, Jahrgang 1974, will in die künstlerische Leitung einsteigen, das Management übernimmt der (in Berlin geborene) Festspielgründer Matthias von Hülsen. Es ist absehbar, dass sich die Zusammenarbeit zwischen dem Schinkel-Prachthaus und dem Scheunen-Festival vertiefen wird.

Der Orchester wird wichtiger

Wenn Nordmann 2009 das Berliner Amt vom alteingesessenen Frank Schneider übernimmt, wird dieser ihm bereits die erste Saison vorbereitet haben. Noch also hält sich Nordmann mit offiziellen Ankündigungen zurück und erzählt lieber freundlich-belanglose Anekdoten. Aber er will sich eindeutig in der Tradition von Frank Schneider verstanden wissen. "Auch ich bin ein Programm-Intendant", sagt er: "Am Anfang steht immer die Idee". Die eingeführten Konzert-Marken des Hauses will er weiterführen. Es soll eine eigene Handschrift haben und nicht "von der Kleiderstange" seine Künstler und Programme einkaufen. Was bedeuten könnte, wie er hinzufügt, dass Anne-Sophie Mutter auch mal im Barock-Konzert etwas Ungewöhnliches mache.

Eine Neuausrichtung wurde gestern schon deutlich: Das von Lothar Zagrosek geleitete Konzerthausorchester soll künftig mehr Geld und mehr Gewicht erhalten. Denn Berlins Regierender war vor allem auch gekommen, um eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Konzerthaus und der Unternehmensgruppe Tengelmann (mit Kaiser's-Filialen in Berlin) zu unterzeichnen. Demnach wird die Unternehmensgruppe ab 2009 die künstlerische Arbeit, vorrangig des Orchesters und der Jugendarbeit, für zunächst drei Jahre finanziell mit einem jährlichen Betrag von 500 000 Euro unterstützen.

Eine Verlängerung um weitere drei Jahre ist möglich. Das Sponsoring (insgesamt dann drei Millionen Euro) für eine Berliner Kulturinstitution ist schon beachtlich. Wowereit spricht von einem Signal in Zeiten globaler Finanznotlagen. Irgendwann fiel ihm sogar der Slogan "Volle Kanne - fürs Konzerthaus" ein. Na so was.