Musik

Philharmoniker mit Berlioz im Flugzeug-Hangar

Tausende Quadratmeter Molton dämpften den Schall für die 2500 Besucher, aber gegen die Abendmaschinen nach Mannheim und Friedrichshafen ist kein Berlioz-Kraut gewachsen.

Tausende Quadratmeter Molton dämpften den Schall für die 2500 Besucher, aber gegen die Abendmaschinen nach Mannheim und Friedrichshafen ist kein Berlioz-Kraut gewachsen. Die Berliner Philharmoniker mussten in ihrem zeitweiligen Brand-Exil Hangar 2 im Flughafen Tempelhof einiges an nicht-musikalischem Lärm hinnehmen. Leise, aber gut fokussiert ging es durch "La Mort de Cléopâtre", eines der gemäßigteren Ergebnisse des schlimmsten Beitrags der Franzosen zur Musikgeschichte: der Rom-Kantate. Die samtig-voll singende Susan Graham hatte zudem offenbar ihren Robenschneider beauftragt, sich noch mal ganz genau den Liz-Taylor-Film anzusehen. Laut, aber eben auch sehr Piano, unterbrochen vom Flugzeugmotoren, geht es in der Symphonie fantastique zu, bei der ausgerechnet Simon Rattle doch allzu sehr kontrastiv einebnete.

Die extra aus der Philharmonie an den Columbiadamm verfrachteten Glocken und auch das von einer fernen Empore geblasene zweite Englischhorn-Solo des neuen Wieder-Orchestervorstands Andreas Wittmann machten schönen Eindruck. Doch der Glanz der sechs Harfen verpuffte naturgemäß ebenso wie auch der Hexensabbat in diesem sinfonischen Horrorfinale schon dämonischer getobt hat.