Handgemachter Tiefsinn: «Unter Niewo» im BKA

«Unter Niewo» heißt die Truppe, die mittlerweile schon seit 10 Jahren ihr Unwesen in Berlin treibt, und selbst wenn der Name richtig geschrieben wäre, bliebe er dämlich, weil völlig falsch: Was die sechs Schauspieler im BKA-Theater zu bieten haben, ist geistreiche, tiefgründige und handwerklich perfekt gemachte Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau. Völlig politik- und klamaukfrei.

Da machen sich plötzlich die deutschen Synchronsprecher einer amerikanischen Dauerwerbesendung selbstständig und lassen Bob, Celine & John mit ihrem Mini-Press-Brautkleid ziemlich blöd aussehen. Auch Kasperle und Gretel müssen leider kurzfristig auf ihre Puppenspieler verzichten, weil die sich nicht mit dem Krokodil rumschlagen wollen, sondern hinter dem per Videoprojektion offen gelegten unteren Teil des Kasperletheaters lieber ein bisschen knutschen. Allein die plüschigen Langohren vom Planet der Hasen scheinen noch alles unter Kontrolle zu haben. Doch auch auf dem Gestirn der Mümmelmänner währt der Friede nur bis zur nächsten Möhre.

«Revue mit Ü» heißt dieses neue Programm von «Unter Niewo» und es besteht aus sieben, nun ja, was eigentlich? Für Sketche sind Dramaturgie und Schauspiel viel zu gut, für Theater sind die Stücke zu kurz und zu komisch, für Comedy zu hintersinnig. Skurrile Einakter trifft es vielleicht am besten. Davon also sieben Stück, und dabei wird der Stall von Bethlehem schon mal kurzerhand nach Absurdistan verlegt und Paris gerät zwischen Hera, Athene und Aphrodite mit seinen Äpfeln auch ganz schön ins Strudeln. Goethes «Faust» hat man so sowieso noch nie gesehen: auf deutsch, englisch, türkisch, im Schnelldurchlauf und rückwärts.

Das Programm ist durchdachter Tiefsinn, handmade. Guter alter Humor. Und dabei mindestens so klug wie Karl Valentin, so lustig wie Heinz Erhardt und so absurd wie Monty Python. kap

BKA-Theater, Mehringdamm 34, Kreuzberg, Tel.: 202 20 07. Bis 5. 1., Fr. - Mi., 20 Uhr.