Gun-Brit Barkmin ist zur stählernen Härte verpflichtet

«Die Proben mit Harry Kupfer waren einfach toll. Ich wollte gar nicht von den Proben weg. Und diese Musik ist so stark, so direkt.» Gun-Brit Barkmin gerät ins Schwärmen, wenn sie von der Arbeit an Brittens Oper «The Turn of the Screw» erzählt. Kupfers letzte Inszenierung als Chefregisseur der Komischen Oper hat im Juli bereits den Bayerischen Theaterpreis gewonnen. Am Sonntag nach der Vorstellung bekam auch die junge Rostocker Sopranistin für ihre Darstellung der Gouvernante noch eine Auszeichnung: den Daphne-Bühnenpreis der TheaterGemeinde Berlin.

Die Sopranistin ist stolz auf ihren ersten Preis. Die Gouvernante ist ein Höhepunkt ihrer Arbeit an der Komischen Oper. Dabei ist ihr die Rolle zunächst gar nicht leicht gefallen: «Stählern soll die Gouvernante sein, viktorianische Beherrschung zeigen. Dabei bin ich eher so ein Typ, der mitleidet», verrät die fröhliche Sängerin, die gern lacht und plaudert. «Aber auf der Bühne möchte ich auch gern mal die Ziege oder die brutale Mörderin sein. Am liebsten was ganz Extremes.» Ein Wunsch, der im lyrischen Sopranfach nicht leicht zu erfüllen ist. Als Ensemblemitglied der Komischen Oper hat sie im Herbst 2000 als Mimi begonnen («Eine meiner Traumrollen, vor dem Debüt habe ich an Händen und Füßen gezittert»), dann folgten die Alice Ford im «Falstaff» («Da durfte ich mal keck über die Stränge schlagen») und die Amelia in Reimanns «Bernarda Albas Haus».

Gun-Brit Barkmins Vater hat Akkordeon gespielt, Shanties vielleicht, genau weiß die Sängerin das nicht mehr. Beide Eltern sind in DDR-Zeiten zur See gefahren. Oft ging es nach Skandinavien. Daher der schwedische Vorname. Mit elf Jahren wollte Gun-Brit Barkmin Blockflöte lernen, hatte aber kein Instrument. Stattdessen gab ihre Kantorin ihr Gesangsunterricht. Schon ein Jahr später kam sie ans Konservatorium, und bald übernahm sie auch kleine Rollen am Volkstheater Rostock. Etwas anderes als Sängerin wollte sie nie werden. Deshalb liest sich ihre Biografie so geradlinig und zielstrebig: Studium in Dresden, Meisterkurse bei Elisabeth Schwarzkopf und Carlo Bergonzi, erstes Engagement in Freiberg und dann der Wechsel an die Komische Oper. Einen Dämpfer gab es auch: Das neue Leitungsteam hat ihr zum Ende der letzten Spielzeit gekündigt. «Erst musste ich schlucken, aber inzwischen halte ich es für einen Glücksfall. Ich sehe mich jetzt im Ausland um, und an der Komischen Oper bin ich als Gast fast genau so gut beschäftigt wie früher.»

In der Berliner Neuproduktion von Zemlinskys Oper «Der Zwerg» übernimmt Gun-Brit Barkmin die Partie der Ghita. Dann folgt der Start in die weite Welt: mit Opernproduktionen in Hawaii und Madrid.