Bühne

Einer hat immer das letzte Wort

Wenn sich langjährige Bühnengefährten trennen, liegt es für gewöhnlich daran, dass alle Beteiligten unbedingt Abstand voneinander gewinnen wollen. Beim Mittwochsfazit hingegen findet man immer schwerer zusammen und hat deshalb das Lesebühnen-Aus beschlossen.

Selbst zum gemeinsamen Interview schaffen es nur noch zwei der drei Herren, die kabarettistischen Vorleser Horst Evers und Bov Bjerg, während Liedermacher Manfred Maurenbrecher wegen anderer Termine schwänzt.

Man ahnte es ja schon seit längerem, dass die umtriebigen Solo-Aktivitäten des probaten Trios nicht ohne Folgen bleiben würden. War es in der Vergangenheit schon zunehmend kompliziert, Zeit für gemeinsame Auftritte zu finden, scheint es in der Zukunft geradezu unmöglich. "Wir haben nach wie vor viel zu tun. Aber zumindest Manfred und ich wollen weniger machen", sagt Horst Evers. "Zudem plane ich im nächsten Jahr sechs Monate Pause und Manfred im übernächsten. Da hatten wir dann die Befürchtung, es könnte ausläppern." "Das wäre ein langsamer Tod. Den wollten wir nicht", fügt Bov Bjerg hinzu, dem die Entscheidung im Gegensatz zu Horst Evers leichtfiel: "Der ständige Austausch wie in den früheren Jahren war in letzter Zeit nicht mehr da. Das hat es erschwert, gute Programm zusammenzustellen."

Aber auch Horst Evers bekennt, den Moment der Befreiung schließlich doch verspürt zu haben: "Als der Entschluss da war, kam es mir auf einmal so richtig vor." Zumal die Drei vorher noch ein letztes Mal im Mehringhof Theater mit ihrem Abschiedsprogramm "Das letzte Wort" Premiere feierten. Das Finale folgt dann am 12. Oktober im Schlot, wo sich das Trio in den Anfangstagen viermal monatlich jeden Mittwoch ein bisschen mehr hochkultete. Es soll sogar eine Art After-Show-Party geben. "Wir sind da und werden mit wem auch immer trinken und reden", verspricht Horst Evers.

Nach rund 60 Programmen voller aberwitziger Geschichten, geschöpft aus dem alltäglichen Wahnsinn, und mehr als 400 Vorstellungen vor zahlreichen treuen Fans in zwölf Jahren, ziehen die beiden eine überaus positive Bilanz. "Die Zeit allein spricht ja schon für sich. Ich glaube, dass das Mittwochsfazit lange die qualitativ stärkste Vorlesebühne in Berlin war und damit im gesamten deutschsprachigen Raum", meint Horst Evers und Bov Bjerg findet: "Wir konnten uns gegenseitig gut befruchten. Ich hatte das Gefühl, sehr gut aufgehoben zu sein auf der Suche nach anderen Arten zu schreiben."

Während Horst Evers weiterhin mit dem Pianisten Benedikt Eichhorn den musikalischen Berlin-Abend "Bezirkslieder" präsentiert und mit seinem Soloprogramm "Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen" unterwegs ist, konzentriert sich Bov Bjerg ganz aufs Schreiben. Gerade ist sein Romandebüt "Deadline" erschienen (Mitteldeutscher Verlag, 143 Seiten, 16 Euro). "Diese kurzen humoristischen Geschichten fürs Mittwochsfazit sind mir halt zu oft wirklich zu kurz und humoristisch. Vielleicht gründe ich aber noch mal eine neue Lesebühne und fange ganz von vorne an. Mit jungen Leuten! Nicht mit so alten", verrät er und Horst Evers mault beleidigt: "Wir waren damals auch jung, bevor du uns verbraucht hast!"

Ein Trost bleibt: Trotz Trennung wird das Mittwochsfazit auch in diesem Jahr mit den Kabarettisten Christoph Jungmann und Hannes Heesch den erfolgreichen satirischen Jahresrückblick im Mehringhof Theater zelebrieren. Selbstredend mit launig-verwegenen Alltagsbetrachtungen aus eigener Fabrikation!

Mehringhof Theater , Gneisenaustr. 2a, Kreuzberg, Tel. 691 50 99. Letzte Vorstellungen: heute bis Sonnabend, 20 Uhr.