«Ich glaube an den Verfall meiner Sammlung»

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Sein größter Fehler war ein Andy Warhol. «Totaler Unsinn», sagt Harald Falckenberg, sei der Ankauf gewesen und ähnlich unüberlegt wie das Bild von Gerhard Richter. So viel Selbstkritik ist selten. Doch Harald Falckenberg ist alles andere als ein introvertierter Sammler, der am liebsten die eingekaufte Kunst sprechen lässt. Zum «Collector's Talk» in den KunstWerken holte der Hamburger weit aus.

Was Falckenberg sammelt, kann man seit Herbst 2001 in den alten Phoenix-Gummiwerken in Harburg sehen. Das «Bernsteinzimmer» aus Plastikfolie von Thomas Hirschhorn oder Jonathan Meeses «Chambre Balthus». Das Manische dieser Arbeiten mag an Falckenberg selbst erinnern, der sich schon mal «Hannibal Collector» nennt, einen Kunstbessenen. Und doch sammelt der Mann mit klarem Kalkül.

Ankäufe der jungen und jüngsten Generation, wie sie John Bock, Katia Kelm, Cosima von Bonin oder Kai Althoff verkörpern, nehmen grundsätzlich Bezug auf die vorhandene Sammlung. Da ist kein Platz mehr für Warhol und andere Künstler, die Falckenberg anfangs «aus Unsicherheit» erstanden hat - bloß um festzustellen, dass die «besten Stücke» ohnehin vergriffen sind. Seit einiger Zeit konzentriert der Sammler «sehr zum Leidwesen der Galeristen» sich nun auf für ihn zentrale Künstler wie Martin Kippenberger, Paul McCarthy, Raimond Pettibon, Franz West und den 1976 verstorbenen, leisen Pop-Artisten Öyvind Fahlström.

Was Falckenberg gar nicht mag, ist die anhaltende Verwendung des Kontext-Begriffs, der jedes Kunstwerk in Verbindung mit seinen sozialen, historischen und persönlichen Produktionsbedingungen bringt. Das sei eine blutleere Angelegenheit und Arbeiten wie die von Hirschhorn oder Wüterich Meese eine angemessene Reaktion auf diese gefühlsfreie Kunstbetrachtung. Dass Hirschhorns «Bernsteinzimmer» wie viele andere Stücke aus der Sammlung sehr fragil sind und sich mit der Zeit zersetzen, stört Falckenberg indes kaum. Seine Ankäufe setzten ohnehin nicht auf Sicherheit. Und grinsend fügt er hinzu: «Ich glaube an den Verfall meiner Sammlung.» ane