Eine bizarre Begegnung mit Ian Brown

Vor kurzem kamen Pop-Trendsetter auf die aberwitzige Idee, ein Genre zu erfinden, das sich "New Rave" nennt.

Vor kurzem kamen Pop-Trendsetter auf die aberwitzige Idee, ein Genre zu erfinden, das sich "New Rave" nennt. Gemeint ist nicht etwa eine überarbeitete Variante von Techno-Massenveranstaltungen, sondern eine neue Generation von Musikern, die sich auf den tanzbaren Gitarrenrock beziehen, der vor etwa 18 Jahren Großbritannien und fast die ganze Welt verrückt machte. Die Stone Roses waren die bekannteste Band dieser Ära. Sie ist schon lange aufgelöst, aber ihr Frontmann Ian Brown macht unverdrossen weiter. Bei seinem Gastspiel im Columbia-Club demonstrierte der Sänger nun, was "Old Rave" ist.

Will man Ian Brown richtig verstehen, muss man sich zunächst eine Eigenart der englischen Pop-Mentalität vergegenwärtigen. Während in den meisten Ländern der Welt ein gewisses Maß an Professionalität und Talent gefordert wird, wenn man auf die Bühne will, reicht auf der Insel oftmals schon die richtige Attitüde aus. Brown zum Beispiel kann überhaupt nicht singen, das hört man schon nach wenigen Sekunden. Im Grunde grölt und nölt er nur. Damit man das nicht so merkt, legt man am Mischpult einen Effekt auf seine Stimme, der diese merklich dumpf ertönen lässt.

Brown ist gekommen, um das Material seines erstaunlich guten aktuellen Albums "The World Is Yours" live vorzustellen. Das Bemerkenswerte an der Platte ist vor allem die Mitwirkung eines großen Orchesters. Auf der Bühne des Columbia-Clubs stehen aber nur sechs Leute, die Streichereinlagen kommen vom Band. Gerettet wird das Konzert letztendlich durch Oldies aus Stone-Roses-Tagen, vor allem durch die Welteroberungshymne "I Wanna Be Adored". Sie ist eine Art Erkennungsmelodie für Brown. Doch ausgerechnet hier streikt plötzlich das Equipment des Gitarristen. Ein bizarrer Abend.

huf