"Ich habe einen Hang zum Kitsch"

Manchmal braucht es für einen Neuanfang etwas Zeit: Der Sänger Denis Fischer hat drei Anläufe genommen, um tatsächlich in Berlin anzukommen.

Manchmal braucht es für einen Neuanfang etwas Zeit: Der Sänger Denis Fischer hat drei Anläufe genommen, um tatsächlich in Berlin anzukommen. "Das erste Mal bin ich direkt nach dem Zivildienst hergezogen. Dann hatte ich hier aber ein Jahr lang nichts zu tun. Nur die Stadt angucken und trinken war nicht so das Wahre", erinnert er sich. Dann bekam er ein Rollen-Angebot in Bremen und war weg. "Es war klar, dass ich wiederkommen wollte", sagt er. Doch auch der zweite Versuch scheiterte: "Ich wollte heiraten. Das hat aber nicht geklappt."

Jetzt lebt er hier seit drei Jahren in Kreuzberg und dort will er auch bleiben. "Das ewige Hin und Her ist vorbei", weiß er, denn es hat sich viel für ihn verändert. Als Sänger und Musiker wird Denis Fischer nämlich immer erfolgreicher: "Die Leute schauen, was hier passiert. Allein deswegen finde ich Berlin schon toll."

Lange Zeit stand er im Schatten seines berühmten älteren Bruders, dem Chansonnier Tim Fischer. Lange hieß es stets: der kleine Bruder von Tim. Das Stigma des Nachgeborenen haftete an ihm. Doch Denis Fischer sieht es gelassen. "Es ist, wie es ist", sagt er. "Eigentlich denke ich darüber gar nicht nach. Tim hat ja sehr früh angefangen." Mittlerweile liegen künstlerisch ohnehin Welten zwischen den beiden, denn Denis geht seinen ganz eigenen Weg. Und er hat durchaus das Zeug zu einem echten Pop-Star.

Nicht sonderlich groß, fast zerbrechlich schlank und die Hose auch mit dreißig noch jungenhaft tiefergelegt, fragt man sich, woher der äußerlich so fragile Sänger nur diese unglaubliche Stimme nimmt? Tief, markant und kraftvoll klingt er, wie Iggy Pop mit einem Schuss David Bowie und Lou Reed und damit wie gleich drei seiner Vorbilder aus den 1970er-Jahren.

Auf seiner neuen CD "Devil in Disguise", die er gerade auf einem Record-Release-Konzert im Postbahnhof vorgestellt hat, finden sich denn auch mit "Lust for Life" und "Candy" gleich zwei Klassiker von Iggy Pop, dem Urvater des Punk-Rocks. Allerdings hat sich Denis Fischer die Songs ganz zu eigen gemacht. Lässig, smooth und cool.

"Candy" singt er gemeinsam mit Romy Haag. "Sie kennt all die Musiker, die ich toll finde. Wenn sie anfängt zu erzählen, etwa wie David Bowie sich damals in ihrem Club die Kante gegeben hat, dann ist das für mich wie Weihnachten", schwärmt Denis Fischer. Natürlich gibt es auch ein Duett mit Bruder Tim: "Turn Around" von Harry Belafonte. "Er hat das Lied vorgeschlagen und ich habe ihn gleich gefragt, als klar war, ich bekomme den Plattenvertrag."

Die beiden vorangegangenen CDs zu den Programmen "Death Songs" und "Fischer singt Juhnke" sind schließlich noch bei einem Verlag erschienen. Nun hat Denis Fischer mit Roof Music erstmals eine richtige Plattenfirma. Wie schon bei seinem Wahlwohnsitz hat der gebürtige Delmenhorster auch musikalisch drei Anläufe gebraucht, um bei seinem eigenen Stil anzukommen. "Meine drei Alben sind ja sehr unterschiedlich. Die Musik, die ich jetzt mache, mochte ich schon vorher, habe aber keinen Weg gesehen, das zu veröffentlichen", so Denis Fischer.

Nicht nur, um dem Publikum den Einstieg zu erleichtern, sondern auch, weil es ihm Spaß macht, ist die CD zur Hälfte mit Coversongs von Denis Fischers Lieblingsliedern bestückt. Sein aktueller Favorit: Molokos entschleunigter Dancefloor-Hit "Time is now". Aber er überzeugt auch selbst als Komponist. In Balladen wie beispielsweise "Bad Memories" scheut der Mann mit der samtigen Whiskeystimme keine Emotionen: "Ich habe sowieso einen Hang zum Kitsch. Das ist ja das schöne am Pop. Er kommt sanft daher und es steckt doch mehr dahinter. Man braucht eben keinen verschachtelten Text, um mit der Musik und einer einfachen Aussage tiefe Gefühle heraufzubeschwören."

Denis Fischer:

Devil in Disguise (Roof Music/Indigo Vertrieb)