Der Wochenend-Tipp

Besuch in Königin Luises Sommerfrische

"Von Ütz nach Paretz ist noch eine gute halbe Meile." So beschrieb Theodor Fontane sein Ankommen in Paretz. Hinter der Brücke über den Havelkanal sehen wir links das restaurierte Pumpenhaus mit der heute nicht mehr benötigten Schleusenanlage.

Wir starten den Spaziergang am Schloss. Es wurde zusammen mit dem Dorf 1797 bis 1804 vom Baumeister David Gilly (an dessen 200.Todestag wird mit dem Paretzer Kultur- und Geschichtssonntag am 26. Oktober erinnert) als Sommerresidenz für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm und seine Gemahlin Luise erbaut. In zwei Jahren, zum 200. Todestag der preußischen Primadonna, wird Paretz zu den Hauptorten der vom Berliner Schloss Charlottenburg über die Pfaueninsel, Potsdam bis nach Oranienburg, Hohenzieritz und Neustrelitz führenden König-Luisen-Route gehören. Im Ort laufen dafür die Vorbereitungen auf Hochtouren, sagt Horst Oberländer vom Verein Historisches Paretz (Tel.03 32 33/8 07 47).

Im Schloss "Still im Land", in dem Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise neun glückliche Sommer mit ihren Kindern verbrachten, empfangen Kastellan Matthias Marr und sein Team die Besucher. Highlight ist dort neben der königlichen Wohnung mit Möbeln, Grafiken und den berühmten Paretzer Papiertapeten auch die Kutschensammlung in der einstigen Schlossremise. In der Ausstellung "Luises Paretz - ein königlicher Landsitz um 1800" wird an die ländlichen Aufenthalte des Paares erinnert.

Herbstfest im Königssaal

Seit 2006 ist in der nun ebenfalls restaurierten Schlossremise die Ausstellung "Kutschen, Schlitten und Sänften aus dem preußischen Königshaus" zu bewundern. Im sanierten Saalgebäude werden zum Herbstfest am 5. Oktober den ganzen Tag Veranstaltungen stattfinden, so zeigt das Paretzer Liebhabertheater um 18 Uhr das Stück "Der Pfarrer von Falkenrehde".

Nach einem Spaziergang durch den beschaulichen Park gehen wir auf dem Parkring, der den Kirch- und Rohrhausgarten umschließt, die Werderdammstraße entlang, bis wir rechts zum Storchenhof der Familie Hipp kommen. Ein Landcafé lockt mit selbstgebackenem Kuchen. Und wir können Kindern beim Reiten zuschauen.

Die Atmosphäre wirkt auch hier nur auf den ersten Blick trubelig. Paretz ist wie einst ein Refugium der Stille und Einfachheit. Nach einem Abstecher zur Havel und an den dort abgehenden Sacrow-Paretzer-Kanal wandern wir entweder die Werderdammstraße zurück oder gehen über Wiesen den Weg an der Schleuse bis zum Pumpenhaus (Schlüssel beim Verein Historisches Paretz).

Ein Kunstwerk in der Königsloge

Gehen wir in den Ort zurück, dann sehen wir links die restaurierte einstige Mehlwaage mit dem Spritzenhaus und besichtigen danach die Kirche. An deren Umbau war auch David Gilly beteiligt, die Malereien im Inneren stammen von Valentin von Massow und Martin Friedrich Rabe. Sehenswert ist in der einstigen Königsloge das Tonrelief "Die Apotheose der Königin Luise" von Johann Gottfried Schadow.

Einen Steinwurf entfernt findet sich links hinter der Dorfscheune der wiederhergestellte Eiskeller. Zum Herbstfest am 5. Oktober beginnt um 14.30 Uhr Königin Luise eine Tour mit Pferd und Wagen durch den Ort.

Wir gehen an der Kirche Richtung Ortsausgang bis zur Mühle. Dort begrüßt Willi Schwetzke (Tel. 0176/40 01 69 31) unter den Flügeln seiner Bockwindmühle Gäste mit einem herzlichen "Glück zu!". Von der Mühle führt der Weg vorbei am Friedhof zum Gotischen Haus.

Gegenüber erinnert eine Tafel an die 1811 von Friedrich Wilhelm III. errichtete neugotische "Luisenpforte", die nach dem letzten Paretz-Besuch der Königin am 20. Mai 1810 aufgestellt wurde. Das Gotische Haus, einst Dorfschmiede, dient seit 1910 als Gaststätte. Spezialität ist russischer Zupfkuchen.

Am Ende des Parkringes, wo vor dem Schloss unser offizieller Spaziergang endet, können wir auch nach links, an den beiden Torhäusern vorbei, in die Paretz-Hofer-Straße gehen und kommen nach einer Weile zu den wassergefüllten "Paretzer Erdlöchern" - Überbleibsel der Ziegelindustrie.

Eine Besonderheit erwartet Besucher in der "Rosenvilla", einer ehemaligen Fabrikantenvilla ( www.rosenvilla-paretz.de ) in der Paretz-Hofer Straße. Dort betreibt Susanne-Sabine Kauker als Gesellschafterin den 1. Paretzer Salon. Berliner feiern dort gern Familienfeste. Auch Teile von Til Schweigers Film "Kleinohrhasen" wurden dort gedreht.