"Ich habe den Piloten nicht erkennen können"

Dass er es gewesen sein soll, der den berühmten Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry abgeschossen hatte, erfuhr Horst Rippert erst, als der Krieg beendet war.

Dass er es gewesen sein soll, der den berühmten Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry abgeschossen hatte, erfuhr Horst Rippert erst, als der Krieg beendet war. Am 31. Juli 1944 hatte der Flieger, damals im Range eines Obergefreiten Angehöriger der Jagdgruppe 200 der deutschen Luftwaffe, den Auftrag erhalten, einen Aufklärungsflug im Gebiet über dem französischen Toulon zu machen.

Er eröffnete das Feuer auf den Gegner

Südöstlich von Marseille sichtete Horst Rippert über dem Meer ein feindliches Flugzeug - zu erkennen an den Hoheitszeichen. Er näherte sich der Maschine bis auf circa 200 Meter und eröffnete das Feuer auf seinen Gegner. Die zweimotorige US-Maschine stürzte ins Meer. Ob jemand ausgestiegen sei, habe er nicht beobachten können, sagte Rippert am Sonntag dem "Heute-Journal".

Für Rippert war das wohl, wenn schon nicht Routine, so zumindest nichts völlig Außergewöhnliches: In seinen Kriegseinsätzen erzielte er insgesamt 28 Luftsiege und erhielt dafür das Ritterkreuz. Zweimal wurde er selbst abgeschossen, überlebte aber. Am 31. Juli flog Rippert unbeschadet zurück in seine Basis Orange-Caritat nahe Marseille. Der Abschuss war einer von 24 gemeldeten Erfolgen der Jagdgruppe 200. Bis Ende Juli musste die Gruppe allerdings ebenso viele eigene Verluste und den Tod von fünf Piloten hinnehmen.

Das Kriegsende erlebte Horst Rippert, dessen Bruder Hans-Rolf unter dem Pseudonym Ivan Rebroff eine Karriere als Sänger startete, noch immer als Pilot - inzwischen war er zum Leutnant befördert worden. Heute erinnert er sich, nach dem 8. Mai 1945 habe er die Nachricht erhalten, Saint-Exupéry habe am 31. Juli 1944 am fraglichen Ort im Flugzeug gesessen. Beim direkten Duell habe er den Mann im Cockpit der französischen "Lightning" natürlich nicht erkennen können - und deswegen sei damals ein gültiger Beweis nicht zu erbringen gewesen.

2004 wurden Wrackteile von Exupérys Maschine im Mittelmeer entdeckt und eindeutig identifiziert. Unklar war danach noch immer, ob der Schriftsteller abgeschossen wurde oder sein Flugzeug wegen eines technischen Defekts ins Meer stürzte. In Frankreich hielt sich auch danach noch die Theorie, Exupéry habe Selbstmord begangen.

Eine Theorie, die der Unterwasserarchäologe Lino von Gartzen glaubt widerlegen zu können; in einem Buch, das diese Woche in Frankreich und im Oktober in Deutschland erscheint. Er suchte im Juli 2006 nach deutschen Piloten, die in Südfrankreich stationiert waren. Dabei stieß er auch auf Horst Rippert. Weil von Gartzen wusste, wo das Wrack der "Lightning" lag, trug er alles zusammen, was mit dem Ort Marseille und dem 31. Juli in Verbindung stand.

Von Gartzen glich die Aussagen anderer Zeitzeugen und Dokumente mit denen Ripperts ab - und kam zu dem Schluss: "Es ist fast unmöglich, dass Rippert den Schriftsteller nicht abgeschossen hat." Das sieht man in der Familie des Schriftstellers nicht grundsätzlich anders. Der Großneffe Antoine de Saint-Exupérys, Olivier d'Agay, sagte gestern der Berliner Morgenpost, er halte die Recherchen für seriös. Von Gartzens Forschungen seien "ziemlich überzeugend". Leider sei es der Familie aber noch nicht gelungen, Kontakt zu Horst Rippert aufzunehmen.

Nach dem Krieg wurde er Sportreporter

Rippert selbst studierte nach dem Krieg und arbeitete dann als Reporter beim Nordwestdeutschen Rundfunk. Ab 1962 erlebte er als Sportreporter beim ZDF unter anderem acht Olympische Spiele und drei Fußball-Weltmeisterschaften, bis er 1995 ausschied.

Nach dem Tod Ivan Rebroffs wurde er im Februar mit den Worten zitiert, er habe seinen Bruder kaum gekannt. Dass er höchstwahrscheinlich Antoine de Saint-Exupéry abschoss, tut ihm bis heute sehr weh: Er habe den Autor zeitlebens sehr verehrt, sagte er im Interview. Und hätte er gewusst, wer am 31. Juli 1944 in der gegnerischen Maschine saß, hätte er niemals das Feuer eröffnet.