Emil und die Detektive

Wenn jemand dem elfjährigen Emil 140 Mark klaut, der frisch aus Neustadt in Berlin eingetroffen ist, dann lässt er sich das noch lange nicht gefallen.

Wenn jemand dem elfjährigen Emil 140 Mark klaut, der frisch aus Neustadt in Berlin eingetroffen ist, dann lässt er sich das noch lange nicht gefallen. Er trommelt Freunde zusammen, verfolgt den miesen Täter im Namen der Gerechtigkeit. Und wenn Frank Castorf Kästners "Emil und die Detektive" inszeniert, dann ist klar, dass er noch lange nicht die goldenen Zwanziger feiert. Er legt seine "Detektive" an den Alexanderplatz Döblins. Sie blicken Franz Biberkopf über die Schulter.

In zwei Versionen, für Menschen ab 17 Jahre und solche ab neun Jahre, hat Castorf Erich Kästners Klassiker inszeniert. Die Version für die Kleineren wird heute um 18 Uhr gezeigt. Castorfs Detektive leben in einer Zwischenwelt. Jenseits der Leiden und Orientierungslosigkeit der Erwachsenen der Zwanziger Jahre behauptet sich die Welt der Kinder. Zwischen Inflation, Wohnungs- und Arbeitslosigkeit sammeln sich die Jungen auf dem Berliner Pflaster. Verarmung und Orientierungslosigkeit der erwachsenen Zwischenkriegszeit bedrohen ihre Lebenswelt, der Griff in Emils Tasche ist da nur der Tropfen, der das Fass überlaufen und die Kinder aneinanderrücken lässt. "Morgen, Kinder, wird's nichts geben! Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!" textete Kästner das bekannte Weihnachtslied um. "Na, und?!" schleudern die Darsteller solchen Drohungen entgegen und verteidigen ihre Autonomie, wenn's sein muss mit den Luftgewehren vom Rummel.

Volksbühne:

Rosa-Luxemburg-Platz 1, Mitte. Tel.: 24 06 57 77. 18 Uhr, 12-32 Euro