Film

Eichinger will die Medien kontrollieren

Hanns-Georg Rodek

Heute früh um 10 Uhr findet in München die Vorabvorführung eines der interessantesten Filme des Kinoherbstes statt: "Der Baader-Meinhof-Komplex". Zutritt wird auf Einladung gewährt, und eine solche verschickte der Produzent Constantin-Film nur an einige wenige ausgesuchte Kritiker.

Kritiker bekommen Filme meist ein paar Wochen vor Kinostart (in diesem Fall am 25. September) zu sehen. Doch die Vermarkter haben das System in jüngerer Zeit "verfeinert".

An die Stelle gleicher Ausgangschancen für alle ist ein höchst selektives System getreten. Vor der normalen Pressevorstellung (für alle Kritiker) finden Vorabvorführungen (für "wichtige" Medien und Monatsmagazine) statt, und selbst das sind nicht die ersten: Bei "Filmereignissen" - und der RAF-Film gilt als solches - lädt der Produzent gern Chefredakteure und Verleger zu Exklusiv-Vorstellungen, in der Hoffnung, der oberste Chef werde seinem Kritiker schon ausrichten, dass er den Film gut zu finden habe. Auch dieses Mittel der Beeinflussung hat die Constantin für Bernd Eichingers Prestigeprojekt in der vorigen Woche wieder angewandt.

Das, wie gesagt, sind die Standardspielregeln. Doch für heute früh hat sich die Constantin etwas Neues ausgedacht. Teilnehmer müssen eine Erklärung unterschreiben, in der es u.a. heißt: "Eine ausführliche Besprechung/Kritik darf nicht vor dem 17.9.08 veröffentlicht werden. Bei einer früheren Veröffentlichung verpflichtet sich Ihr Verlag sowie verpflichten Sie sich zur Zahlung einer Konventionalstrafe von jeweils 50 000 Euro an die Constantin Film Verleih GmbH."

Das ist ein schweres Geschütz. Die Knebelunterschrift steht auch für die zunehmende Instrumentalisierung der Medien, die in ein so enges Korsett eingeschnürt werden sollen, dass sie die Vermarktung mit einer - möglicherweise - negativen Berichterstattung möglichst wenig stören können. Die "Süddeutsche Zeitung" hat jedenfalls als Antwort auf den Vertragstext die Teilnahme an der Sichtung abgelehnt - wobei allerdings noch nicht klar ist, ob es nur um ihr Magazin oder die gesamte Zeitung geht.