Merkwürdiges Verhalten in der Begattungszeit

Beim Stückemarkt des Theatertreffens war diesmal Paar-Tag. Beide vorgestellten Dramen gehen von der Zweierbeziehung als Keimzelle aller dramatischen Konflikte aus.

"sie" (Inka Friedrich) und "er" (Michael Prelle) in Ulf Schmidts "Heimspiel" haben schon lange keine Arbeit mehr. Irgendwann begreifen sie das Scheitern, Bierflaschen schmeißend, als Chance. Manager oder Kind - jeder, der die leeren Pullen aus dem Hochhaus auf den Kopf kriegt, erspart sich eine Menge künftiger Demütigungen. Nur für die Werfer dreht sich das Karussell weiter: Die launischen Götter losen ihnen einen hochbezahlten Arbeitsplatz zu. Er wird ihnen so wenig helfen, wie Bertolt Brechts Shen Te ihr kleiner Tabakladen genutzt hat.

Schmidt, ein bei Hans Thies-Lehmann promovierter Theaterwissenschaftler mit erkennbar philosophischem Hintergrund hält seine beiden Hauptfiguren von allen individuellen Merkmalen frei. Die Tragödie ist eine mechanische Angelegenheit: Sie braucht ein Uhrwerk, keine Genremalerei und keine Atmosphäre. Die von Harald Siebler inszenierte szenischen Lesung ließ sich auf diese Reduktion ein. Niemals tobt sich Regieehrgeiz auf Kosten des Stückes aus.

Auf die Tragödie folgte "Das Zappen" als Satyrspiel. Das Stück von Maja Das Gupta, Absolventin des Leipziger Literaturinstituts, besteht aus zwei Monologen, die vordergründig wenig miteinander zu tun haben. Im ersten Teil "Eins, zwei Liebe" beschwört eine junge Frau (Jule Böwe) diverse junge Männer (immer dargestellt von Mark Waschke) herauf, mit denen sie allerhand unverbindliche Paarsituationen durchdekliniert. Wieder mal geht es ums merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter während der ganzjährigen Paarungszeit. Aber echt amüsant und fast virtuos.

Kinder ergeben sich übrigens aus keiner der Beziehungen. Zum Glück. Denn es bleibt nicht beim idyllischen Bild von den vielen kleinen Zahnbürsten, die sich im Familienbadezimmer um zwei große Zahnbürsten herumgruppieren. Im zweiten Teil "Sneak Preview" zeigt Andreas Bisowski als einsamer Filmvorführer was alles schief gehen kann, wenn einer gar nicht auf die Welt kommen wollte und das später an irgendjemandem auslässt. Er hat den Fenstersturz seines kleinen Bruders auf Video und überrascht nun sein Kinopublikum damit.

Das Elend, darin sind sich beide Stücke verblüffend einig, kommt nicht durch die schlechten Verhältnisse, sondern ist geradezu der Urzustand der Welt. Schwer lastet solcher Pessimismus auf jungen Autorenseelen. Aber fürs Dramenschreiben sind das offensichtlich gute Voraussetzungen.