"young.euro.classic": Festival

Großer Jubel für Orchester aus Taipeh

| Lesedauer: 2 Minuten
Klaus Geitel

Überwältigender als mit dem Gastspiel des Studentenorchesters "Moments Musicaux" aus Taipeh, (im Programm sorgfältig immer als "Chinese Taipei" bezeichnet) hätte die neue, die neunte Edition des young.euro.classic-Festivals im Konzerthaus gar nicht beginnen können. Keiner im (nicht ganz ausverkauften) Saal wusste so recht, was von den Gästen künstlerisch zu erwarten war.

Am Ende, aber auch schon vor der Pause, herrschte eine begeisterte Zustimmung, die man in Berlin neuerdings in die frische Kategorie des "Obama-Jubels" einzureihen versucht ist.

Aber auch der Andrang am Rednerpult war gewaltig. Gabriele Minz, Guter Geist des Festivals von Anfang und für Immer und Ewig, sprach die Begrüßungsworte und in ihnen vom "Weltklang Berlin". Schöner noch: Sie nannte ihr Festival "ein Sommermärchen" der Musik. Und das ist es in der Tat. Es wirkt wie ein Geschenk des Himmels. Von den Höhen der Konzerthaus-Galerie bliesen denn auch prompt fünf Blechbläser des Orchesters im Alleingang die knappe, neue Festivalhymne "Echo" von Guohui Ye herab: majestätisch zu Beginn, dann leichteren und fröhlicheren Schrittes.

Das Taipeh-Orchester wurde vor zehn Jahren begründet und zwar von Ching-Po Chiang, der ihm auch heute noch als Dirigent vorsteht: ein kundiger, einfühlsamer Mann voller Temperament, das er freilich nur in der Musik, die er erklingen lässt, auslebt. Eigene Wichtigtuerei am Pult ist seine Sache nicht. Selbst nicht bei einem herausfordernden Monumentalwerk wie Gustav Mahlers dreiviertelstündiger Fünfter Sinfonie, dem Hauptwerk des Abends. Es konnte Mahlers Darstellungslust auf dem hinreißend schlanken Geschmetter seines Solo-Trompeters gründen. Aber auch auf dem wundervollen Vortrag der üppigen Scherzo-Passagen für den großartigen Solo-Hornisten. Mit Sturm und Drang ging das reich mit Damen bestückte Orchester ans Werk. Sieben Kontrabassistinnen, fünf Hornistinnen erlebt man auf einem Konzertpodium selten beisammen. Auffallend wiederum: je vehementer sich Mahler musikalisch äußerte, desto leidenschaftlicher schienen seine fernöstlichen Interpreten bei der Sache. Das vielgeliebte Adagio dagegen blieb an Intensität des Vortrags deutlich zurück. Am eindrucksvollsten geriet allerdings, von Hsi-Jong Wang auf der Pipa und Chung-Sheng Chen auf den Flöten vorgetragen, der Mittelteil des Werkes: eine musikalische Unterhaltung zu zweit, ebenbürtig den feinsten Ergüssen der chinesischen Literatur. Lyrik pur.