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Mäzene: Finanzielle Situation in Bayreuth sehr angespannt

Die finanzielle Situation der Bayreuther Festspiele ist nach Darstellung der Mäzene "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth" außerordentlich angespannt.

"Es ist eine wirklich schwierige Zeit", sagte der Vorsitzende Karl Gerhard Schmidt am Montag auf der Mitgliederversammlung in Bayreuth. Der Etat 2008 weise ein Defizit von einer Million Euro auf, das von den "Freunden" nun ausgeglichen werde. Bereits 2007 sei ein Defizit von einer halben Million Euro aufgelaufen.

Im Spätherbst 2007 seien "deutliche Liquiditätsprobleme" erkennbar geworden, sagte Schmidt. "Das hat es in all den Jahrzehnten zuvor nicht gegeben." Festspielchef Wolfgang Wagner habe immer einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt. Das Minus habe nichts mit Misswirtschaft zu tun, unterstrich Schmidt; es sei im Festspielhaus aber zu knapp kalkuliert und budgetiert worden. "Einige Kosten sind aus dem Ruder gelaufen, seit Wolfgang Wagner die Dinge nicht mehr so im Griff hatte." Zudem seien die öffentlichen Zuschüsse seit 2004 eingefroren, dem stünden aber erhebliche Kostensteigerungen gegenüber.

Schmidt machte sich zugleich für die Halbschwestern Eva Wagner- Pasquier (63) und Katharina Wagner (30) als künftige Festspielleiterinnen stark und unterstrich, dass die "Freunde" deren gemeinsame Bewerbung im Stiftungsrat unterstützen werden. "Wir halten dies in der gegenwärtigen Situation für richtig", sagte er. Der 88- jährige Wolfgang Wagner will Ende August zurücktreten. Eva Wagner-Pasquier habe jahrzehntelange Erfahrung im Opernmanagement und sei sehr angesehen. Katharina Wagner habe bewiesen, dass sie eine "hervorragende Organisatorin" sei. Zudem führe sie die Festspiele in die "neue Medienzeit", sagte Schmidt.

Regisseurin Katharina Wagner (30) will im Jahr 2015 die Oper "Tristan und Isolde" auf die Bühne des Festspielhauses bringen. Als Dirigent ist Christian Thielemann vorgesehen, so Schmidt. Im kommenden Jahr wird es bei den Bayreuther Festspielen keine Neuinszenierung geben. 2010 kommt ein neuer "Lohengrin" in der Regie von Hans Neuenfels heraus. Für die musikalische Leitung wurde der junge lettische Dirigent Andris Nelson verpflichtet. 2011 steht ein neuer "Tannhäuser" in der Inszenierung von Sebastian Baumgarten an. Ein Jahr später folgt eine Neuinszenierung von "Der fliegende Holländer", die Christian Thielemann dirigieren soll. 2013, zum 200. Geburtstag Richard Wagners, steht ein neuer "Ring des Nibelungen" an. Regieteam und Dirigent stünden noch nicht fest, sagte Schmidt, der in Vertretung des gesundheitlich angeschlagenen Festspielchefs Wolfgang Wagner auf der Mitgliederversammlung der Mäzene über die Pläne berichtete.

Schmidt zeigte sich optimistisch, dass bereits in der Stiftungsratssitzung am 1. September eine neue Festspielleitung bestimmt wird. Dann werde man in Vertragsverhandlungen eintreten. Einen Vertrag auf Lebenszeit, wie ihn Wolfgang Wagner innehat, werde es nicht mehr geben. "Es ist klar, dass die Verträge befristet sein werden auf fünf oder sieben Jahre", sagte Schmidt.