Medien

Neuer Sparkurs: Berliner Verlag kommt nicht zur Ruhe

Der durch den Sparkurs von Geschäftsführer und Chefredakteur Josef Depenbrock verursachte Umbau der "Berliner Zeitung" nimmt Formen an. Das Blatt wird künftig ohne Medienseite erscheinen. Vorgesehen ist zudem die Auslagerung von Reise-, Auto- und Immobilienseiten an externe Dienstleister. Schließlich werden freien Mitarbeitern die Honorare gekürzt. Sie fallen ab sofort nicht mehr in die Verantwortlichkeit der Ressorts, sondern in die der Chefredaktion.

Abgesehen von den Honorarkürzungen wird durch keine dieser Maßnahmen kurzfristig Geld gespart: Zunächst soll kein Personal entlassen werden. In der Redaktion heißt es jedoch, Depenbrock verfolge eine "Salamitaktik". So sei bekannt dass er das Feuilleton, in der künftig die einstigen Medienredakteure arbeiten sollen, für überbesetzt hält. Das Wissenschaftsressort, demnächst Heimstatt der Reiseredakteurin, wolle er mit der Politik, dem Vermischten und den Nachrichten zu einem Großressort zusammenlegen. Er plane die Redaktion von derzeit 150 auf 90 Redakteure zu reduzieren. Ein Sprecher der BV Deutsche Zeitungsholding bestätigt die Abschaffung der Medienseite. Im Zusammenhang mit der Auslagerung von Reise-, Auto- und Immobilienseiten spricht er von "Überlegungen".

Insgesamt sollen bei der BV Deutsche Zeitungsholding, der neben der "Berliner Zeitung" auch der "Berliner Kurier" und die "Hamburger Morgenpost" gehören, 150 von knapp 930 Stellen gestrichen werden. Die Maßnahme hängt mit den Renditezielen des Gesellschafters des längst profitablen Zeitungshauses zusammen: Bei ihm handelt es sich um die börsennotierte Mecom Group des britischen Finanzinvestors David Montgomery, die eine Rendite von gut 20 Prozent anstrebt. Montgomery wird heute in Berlin erwartet.

Gegen den Sparkurs des Verlages gibt es in der Belegschaft erbitterten Widerstand. Nach Redaktionsschluss trafen sich am Mittwochabend Gewerkschaftsmitglieder der Redaktionen des Berliner Verlags, um Tarifforderungen aufzustellen, über die mit der Geschäftsführung verhandelt werden soll. Die Redakteure geben sich kampfbereit: "Wenn das nicht fluppt", sagt einer von ihnen, "werden wir streiken."

Depenbrock gab sich zu seinem Sparkurs zuletzt wenig auskunftsfreudig. Eine Diskussionsveranstaltung der "taz" zum Thema "Unabhängigkeit contra Renditesteigerung" sagte er am Montag kurzfristig ab.