Forschung

Unser Geheimnis im Kopf

Ohne unser Gehirn können wir nicht denken und fühlen. Es erledigt jeden Tag wichtige Aufgaben für uns. Forscher wollen herausfinden wie das eigentlich funktioniert

Aua! Wenn man einen Nagel in die Wand schlägt, kann man sich schon mal auf den Finger hauen. Das tut weh. Sogar wenn man nur dabei zusieht, wie jemand anderem so was passiert. „Autsch!“, denkt man sich dann. Jakub Limanowski ist Gehirn-Forscher und will wissen, warum das so ist. Um das herauszufinden, trickst er das Gehirn von Menschen aus. Das macht er zum Beispiel mit einer Maschine, die streicheln kann. Die Maschine streichelt gleichzeitig eine echte Hand von jemandem und eine Plastikhand. Die Hände müssen eng beieinander liegen.

„Irgendwann fühlt es sich so an, als wäre die künstliche Hand meine eigene Hand“, erklärt Jakub Limanowski. Das Gehirn wird durch die gleichzeitige Berührung ausgetrickst. Man glaubt dann: Die eigene Hand liegt nun da, wo eigentlich die künstliche Hand liegt. „Auch wenn jeder weiß, dass die künstliche Hand nicht wirklich die eigene ist“, sagt der Forscher.

Aber was geht da im Gehirn vor sich? Forscher vermuten: Wenn Menschen die Plastikhand spüren, könnte das an bestimmten Zellen im Kopf liegen. Sie heißen Spiegel-Neurone. Die sind eigentlich dafür da, um mit anderen Menschen zu fühlen. Doch es könnte auch an etwas ganz anderem liegen. Genau weiß das keiner.

Damit er das herausfindet, hat Jakub Limanowski sich zuerst einmal mit der Streichel-Maschine in ein großes röhrenartiges Gerät gelegt. Das heißt fMRT. Damit können Wissenschaftler ungefähr sehen, was im Kopf geschieht. „In den eigenen Kopf zu gucken, ist spannend“, sagt Jakub Limanowski. Der Hirn-Forscher hat viele Freiwillige gesucht, die bei dem Experiment mitmachen. Diese Leute hat er auch zusammen mit der Streichel-Maschine in die Röhre geschoben.

Der Forscher will noch viele weitere Menschen untersuchen. „Damit können wir dann vielleicht auch zeigen, warum manche Leute sehr leicht auf so eine Täuschung hereinfallen – und andere nicht“, sagt er. Vielleicht kann man dann auch besser verstehen, wie überhaupt das Gefühl für unseren eigenen Körper entsteht. Bisher ist das eines von vielen Gehirn-Geheimnissen, die noch nicht gelöst sind.

Wenn Forscher Menschen in die fMRTs schieben, sehen sie ihrem Gehirn bei der Arbeit zu. Können sie dann auch sehen, was die Leute denken? „Da muss man keine Angst haben“, sagt Jakub Limanowski. „Richtig Gedankenlesen kann noch lange kein Forscher.“ Die Bilder, die er vom menschlichen Gehirn machen kann, sehen etwa so aus: viel Grau, manchmal ein bisschen Rot, vielleicht etwas Gelb und Weiß. Ein Bild vom Gehirn sieht eher aus wie eine Karte beim Wetter-Bericht.

„Bisher können wir nur sehen, ob ein Teil des Gehirns etwas mehr Sauerstoff verbraucht hat oder nicht“, erklärt der Experte. Forscher glauben, dass dieser Bereich des Gehirns dann besonders viel arbeitet. Um das zu beobachten legen sie zum Beispiel Menschen in die Röhre, und lassen sie dabei Fotos ansehen. So können die Forscher vielleicht sehen, welcher Teil des Gehirns beim Angucken der Fotos viel arbeitet. Ob sich die Test-Person dabei aber gedacht hat: „cool", oder „Boah, wie hässlich“ – das bleibt ein Geheimnis.