Chefetage

Führen mit Lob und Kritik

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Henning Zander

Monika Setzwein ist keine Freundin des Flurfunks. Sie mag es nicht, wenn Kritik nicht offen, sondern nur hinter dem Rücken geäußert wird. "Ich denke, dass eine grundlegende Ursache für Konflikte im Unternehmen darin liegt, dass man sich nicht ausreichend austauscht", sagt die Geschäftsführerin der Setzwein IT-Management GmbH.

In ihrem kleinen Team von fünf Mitarbeitern ist jeder darauf angewiesen, dass Missverständnisse untereinander ausgeräumt werden. Die Firma hat sich auf Projektmanagement spezialisiert, zu den Kunden des Unternehmens gehören Größen wie die Telekom oder die Lufthansa.

Feedback, also die Rückmeldung an eine Person über deren Verhalten und wie dieses von anderen wahrgenommen, verstanden und erlebt wird, hat Setzwein als Betriebskultur etabliert. Sei es bei Teamtreffen, bei Mitarbeitergesprächen oder kurzen Stehkonferenzen - niemand soll Angst davor haben, offen seine Meinung zu sagen. Auch nicht der Chefin. "Ich musste auch erst einmal lernen, damit umzugehen", sagt die Unternehmerin.

Lob mit Seltenheitswert

Denn die konstruktive Kritik ist in Deutschland keineswegs Alltag. "Es gilt immer noch das Motto: Kein Anpfiff ist Lob genug", analysiert Robert Degenhardt, Psychologe und Managementberater bei der Demos - Europäischen Wirtschaftsakademie in Berlin. Degenhardts Kritik: "Viele trauen sich nicht, etwas zu sagen, weil sie nicht einschätzen können, wie ihre Kritik ankommt."

Selbst Feedback einzufordern, fürchteten vor allem Führungskräfte. Die Angst vor einem Gesichtsverlust sei groß, sagt Degenhardt. "Dabei ist dies die einzige Mög-lichkeit, etwas über sich zu lernen."

Um Kritik annehmbar zu gestalten, sind Regeln notwendig. Ohne die geht es auch bei Monika Setzwein nicht. "So etwas darf nicht emotional aufgeladen sein. Niemand hat Lust auf Vorwürfe und Beschimpfungen." Deshalb darf Feedback auch nie an der Persönlichkeit festgemacht werden, sondern muss immer auf konkrete Verhaltensweisen bezogen sein. "Mein Verhalten kann ich ändern, meine Persönlichkeit nicht", sagt Managementberater Degenhardt. Zudem sollte die Kritik immer in der Ich-Form geäußert werden und nicht als Meinung des Unternehmens oder des Kollegiums dargestellt werden, hinter der man sich verschanzt. "Schließlich soll hier kein Tribunal aufgebaut werden", sagt Degenhardt.

Außerdem darf die Kritik nicht so formuliert sein, als ginge es um unumstößliche Tatsachen. Gefragt ist der Eindruck des Einzelnen, die andere Perspektive. Feedback muss zudem gewollt sein. Bevor man also mit der Tür ins Haus fällt, sollte man fragen, ob der andere die eigene Meinung überhaupt hören will.

In Monika Setzweins Alltag kommt es immer wieder darauf an, dass Mitarbeiter Vorträge vor Kunden halten. "Ein mögliches Feedback könnte so aussehen, dass ich den sympathischen Auftritt lobe aber auch kritisch bemerke, dass mehr auf das Zeitmanagement geachtet werden sollte."

Kritik braucht Ausgewogenheit

Setzwein legt Wert auf eine ausgewogene Kritik. Negative und positive Aspekte sollten sich die Waage halten. Sinnvollerweise sollte das Feedback auch immer Verbesserungsvorschläge beinhalten. "Derjenige, der das Feedback bekommt, muss sich auf gewürdigt fühlen. Dann fällt es ihm auch viel leichter, Kritik anzunehmen", sagt Monika Setzwein.

Lob findet die Führungskraft dabei fast noch schwieriger als Kritik. Es verlange viel Übung, den richtigen Ton zu treffen. Sich bei einem "super" Team für eine sehr gute Leistung zu bedanken, habe noch lange nichts mit gutem Feedback zu tun. "Das motiviert keinen, da bleibt nichts kleben", sagt Geschäftsführerin Setzwein.

Mitarbeiter oder Kollegen für Kleinigkeiten zu loben, kann zudem peinlich wirken. Mit Sarkasmus verbunden, ist Lob verletzender als Kritik. Doch richtig eingesetzt, kann Lob ein entscheidendes Instrument sein, um die Motivation und Leistung der Mit-arbeiter und Kollegen zu heben. "Auch wenn der andere abwiegelt, für sich freut er sich dann doch", sagt Robert Degenhardt.

Ebenso schwierig, wie ein konstruktives Feedback zu geben, ist es, die geäußerte Kritik auch in angemessener Form entgegen zu nehmen. Viele Menschen schaffen es nicht, einfach nur zuzuhören, sondern fühlen sich durch kritische Worte schnell unter Rechtfertigungsdruck gesetzt. "Unbestritten ist doch, dass ein bestimmtes Verhalten beim Gegenüber eine Reaktion ausgelöst hat. Auch wenn man denkt, dass eigentlich alles ganz anders war", sagt Robert Degenhardt.

Der Managementberater empfiehlt, das Feedback ohne Diskussionen hinzunehmen und sich auch für das Feedback zu bedanken. Schließlich habe sich jemand zur eigenen Person Gedanken gemacht. Was man dann daraus mache, bliebe schließlich jedem selbst überlassen.