Vorstellungsgespräch

Souverän im Job-Interview

Um bei einer Stellenausschreibung zum Zug zu kommen, müssen Bewerber mit mehr punkten als mit fehlerfrei formulierten Anschreiben und lückenlosen Lebensläufen. "Eine perfekte Bewerbungsmappe ist nur die Eintrittskarte für das Vorstellungsgespräch oder ein Assessment-Center", sagt Jessica Wahl.

Die Trainerin bereitet Bewerber in individuellen Coachings auf Gesprächs- und Testsituationen vor. Ihre Klientel reicht dabei vom Hochschulabsolventen bis zum Manager.

Persönlichkeit zeigen

"Die Bewerber lernen, sicher aufzutreten und ihre Persönlichkeit überzeugend zu präsentieren", sagt die ausgebildete Trainerin und Sprechtherapeutin. Dazu gehöre beispielsweise auch, was ein Bewerber zum Jobinterview anziehen soll, wie er den Raum betritt, seinem Gegenüber die Hand gibt und wie er auf seine Gesprächspartner mit Mimik und Gestik eingehen muss, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Damit ihre Klienten das alles bis zum "Tag X" auch wirklich verinnerlichen, filmt die Trainerin sie beim Umgang mit sowohl klassischen als auch provozierenden Interviewfragen. "Die Bewerber lernen so, mit ihrer Körpersprache auch auf schwierige und unerlaubte Fragen, zum Beispiel nach Krankheiten oder Familienplanung, souverän zu reagieren", betont Jessica Wahl.

Die meisten Personalchefs achten neben Fachkenntnissen vor allem auf einen authentischen Auftritt. Diesen Eindruck zu vermitteln, dürfte schwer fallen, wenn Antworten auswendig gelernt klingen und nicht im Einklang stehen mit der eigenen Persönlichkeit. "90 Prozent der Bewerber nennen Perfektionismus als ihre Schwäche - wahrscheinlich weil das auch positiv klingt. Wenn dann aber die Bewerbungsmappe Eselsohren hat, Unterlagen fehlen oder die Bluse ungebügelt ist, fällt es schwer, das zu glauben", sagt Claudia Lehmann, die Bewerbungs-Coachings anbietet und Einstellungsgespräche führt.

Ihre Beratung für die Bewerbungssituation beginnt die Berliner Psychologin Lehmann regelmäßig mit einer Potenzialanalyse. "Zunächst sollen sich die Bewerber darüber klar werden, was sie für die Aufgabe mitbringen und was sie sonst noch gern tun und besonders gut können", erklärt sie ihr Vorgehen.

Die Beschäftigung mit den Stärken unterstütze das Selbstbewusstsein. Daher sei es besonders wichtig, sie schriftlich festzuhalten, meint Lehmann.

Aber auch das, was für den Job an Kompetenzen fehlt, müsse erkannt und benannt werden. "Sich selber zu beschummeln hilft da wenig, deshalb frage ich oft danach, welche Schwächen andere Menschen bei den Bewerbern erkennen", sagt Claudia Lehmann. Manchmal gehe es nur darum, die Schwächen in ein anderes Licht zu rücken und die positiven Seiten eines Verhaltens zu erkennen.

An Zielen arbeiten

Mit anderen Bewerbern müsste sie an konkreten Entwicklungszielen arbeiten. Das kann zum Beispiel die Überwindung von Prüfungsangst sein - ein Thema, mit dem sich zum Beispiel auch der Coach Björn Elvers intensiv beschäftigt. "Einige Menschen erleben ihre Prüfungsangst als unüberwindlichen Stolperstein. Sie bekommen dann Angst vor der Angst und meiden alle Situationen, in denen sie gefordert sind" sagt Elvers. Selbst Profis würden manchmal durch negative Erfahrungen unsicher.

Wenn Klienten mit solchen Anliegen zu ihm kommen, führt er sie nach einem Vorgespräch in einen Trancezustand. Auf diesem Weg können die meisten Menschen Situationen mit allen Sinnen ganz einfach wieder erleben, in denen sie sich in der Vergangenheit zum Beispiel selbstbewusst gefühlt haben.

Für Bewerber sei es wichtig, vor und während eines Vorstellungsgesprächs diese positiven Zustände dann neuerlich bewusst hervorrufen zu können, um Panik zu verhindern und wieder zu einer inneren Ruhe zu kommen.

Coaching für Bewerber im Internet:

Claudia Lehmann, www.double2L.com

Björn Elvers, www.coachhochdrei.de

Jessica Wahl, www.jessicawahl.de