Studien- und Berufswahl

Weiblich, gebildet, aber risikoscheu

Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer. In Deutschland liegt die Kluft bei 23 Prozent. Im Studium sind Frauen fleißig, kommen schneller zu einem Abschluss und erzielen bessere Noten. Dennoch hapert es anschließend bei den meisten mit der großen Karriere.

Dass Frauen männliches Terrain im Beruf nur schwer erobern, sei auch hausgemacht. Denn Frauen verbauen sich bereits mit ihrer Studienwahl Karrierechancen, so das Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Die Soziologinnen Kathrin Leuze und Alessandra Rusconi weisen darauf hin, dass die meisten Frauen noch immer typische "Frauenfächer" studieren. So sind sieben von zehn Studenten der Sprach- und Kulturwissenschaften Frauen. In den Ingenieurwissenschaften liegt der Anteil bei nur 20 Prozent, in den naturwissenschaftlichen Hochschulfächern sind es 40 Prozent.

Typische Frauenfächer bremsen

Bei Frauen beliebte Studienfächer bringen im Job weniger Einkommen und Status. In aller Regel haben diese aber den Vorteil, Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Frauen seien weitaus weniger als Männer bereit, den Lebensschwerpunkt allein auf den Beruf auszurichten.

Nach Abschluss ihres Studiums schlagen Frauen häufig eine Laufbahn im öffentlichen Dienst ein. Männer zieht es dagegen meist in die Privatwirtschaft, die bessere Karriere- und Verdienstmöglichkeiten bietet. Dies gilt unabhängig von Partner oder Kindern. Leuze und Rusconi führen dies auch darauf zurück, dass Arbeitgeber Vorurteile pflegen:

"Arbeitgeber unterstellen sogar hochqualifizierten Frauen, weniger karriereorientiert, weniger produktiv und eher bereit zu sein, zugunsten der Familie ihr berufliches Engagement zu reduzieren oder sogar ganz aufzugeben", so die Soziologinnen. Zudem würden selbst kinderlose Frauen riskantere Karrierepfade in der Privatwirtschaft meiden. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern vergrößern sich noch, wenn Frauen eine Familie gründen. Hochqualifizierte Frauen sind in der familienintensiven Phase fast vier Mal häufiger als Männer nicht erwerbstätig. Männer mit kleinen Kindern arbeiten dagegen sogar häufiger in der Privatwirtschaft als kinderlose Männer. Auch der Wiedereinstieg von Frauen nach einer beruflichen Auszeit hängt stark vom Arbeitsalltag ab. Zu diesem Schluss kommt eine weitere im März veröffentlichte WZB-Studie im Auftrag des Bundesfrauenministeriums.

Selbstbestimmte Arbeitszeiten

Demnach kehren Frauen schneller zurück, wenn sie aus Berufen mit günstigen Arbeitsbedingungen kommen. So kommen beispielsweise Flugbegleiterinnen, Krankenschwestern oder Restaurantfachfrauen mit flexiblen und selbstbestimmten Arbeitszeiten schneller an den Arbeitsplatz zurück. Die in diesen Berufsgruppen übliche Wochenend- und Feiertagsarbeit wirkt keineswegs abschreckend. Im Gegenteil: "Bei Wochenend- und Feiertagsarbeit können Frauen ihre Arbeitszeiten flexibel einteilen", heißt es in der Studie von WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger, Marina Hennig und Stefan Stuth.

Dass auch Ärztinnen und Sozialarbeiterinnen relativ schnell wieder in den Beruf zurückkehren, führen die Arbeitsmarktexperten auf den erhöhten Anteil an befristeten Verträgen im Gesundheits- und Sozialbereich zurück. Bei ungünstigen Bedingungen kehren viele Frauen nach einer Pause spät oder gar nicht zurück. Dies trifft zum Beispiel auf Friseurinnen zu, die lange Arbeitszeiten haben oder auf Köchinnen und Gebäudereinigerinnen, die körperlich anstrengende Arbeit verrichten müssen.

Frauen, die eine Auszeit nehmen, kehren durchschnittlich nach 110 Monaten in die Arbeitswelt zurück. Besonders lange pausieren Friseurinnen - im Durchschnitt 169 Monate. Die meisten von ihnen kehren nach einer Unterbrechung gar nicht in den Beruf zurück. "Bestimmte Berufe sind nur über einen begrenzten Zeitraum auszuüben. Daher müssen wir mit Weiterbildung und beruflicher Neuorientierung reagieren", so das Fazit der Forscher. Aus wirtschaftlichen Gründen bliebe vielen Frauen keine andere Wahl, als schnell in Berufe mit belastenden Arbeitsbedingungen zurückzukehren. Das werde besonders bei Berufen deutlich, in denen ungelernte Frauen oder viele geringfügig Beschäftigte arbeiteten. Für die WZB-Studie wurden die 111 von Frauen am häufigsten ausgeübten Berufe untersucht.

Im Internet:

www.bmfsf.de

www.wzb.eu