Outfit

Auf die Kombination kommt es an

Marc Roser ist unsicher. Der 20-Jährige hat in der kommenden Woche zwei Vorstellungsgespräche: Das erste bei einer Werbe- agentur für einen Ausbildungsplatz zum Kaufmann für Marketingkommunikation, das andere bei der Sparkasse als Bankkaufmann-Azubi.

"Was soll ich bloß anziehen, ohne verkleidet zu wirken?", fragt sich der junge Kreuzberger. Bisher musste sich Marc Roser darüber wenig Gedanken machen. Nach Abitur und Zivildienst in einem Krankenhaus hat er im zweiten Semester sein Wirtschaftsstudium abgebrochen. Sowohl in der Schule als auch im Hospital und in der Universität sei die Kleidung "egal" gewesen, so Roser.

Doch Marc Rosers bevorzugtes Freizeitdress, weite Jeans und Sweatshirts, seien für ein Vorstellungsgespräch sowohl bei der Sparkasse als auch in der Werbeagentur "völlig unpassend", sagt die Wilmersdorfer Psychologin und Stilberaterin Lisa Zimmermann. Jeans, allerdings eher eine enger geschnittene Variante, seien höchstens bei Bewerbungsgesprächen für eine handwerkliche Ausbildung akzeptabel. Während der 20-jährige Marc für sein Vorstellungsgespräch bei der Bank auf jeden Fall im klassischen Anzug mit gebügeltem Hemd und Krawatte gehen sollte, dürfe die Kleidung für das Jobinterview bei der Werbeagentur ruhig etwas "individueller und auffälliger sein", rät Lisa Zimmermann. Sie empfiehlt Marc Roser als Basis-Ausstattung einen grauen oder dunkelblauen Anzug, eventuell mit dezenten Nadelstreifen.

"Diesen modernen Zweiteiler kann er bei beiden Vorstellungsgesprächen tragen", betont die Stilexpertin. Denn: Auf die Kombination komme es an. Anders als bei der Bank seien Hemd und Krawatte zum Anzug in einer Werbeagentur "zu formal". Dort sollte Marc Roser durch seine Kleidung auch Kreativität ausstrahlen. "Marc könnte den Anzug beispielsweise mit einem Kapuzen-Shirt in kräftigen Farben kombinieren", sagt Lisa Zimmermann. Wichtig sei, dass der Bewerber "authentisch und nicht verkleidet wirkt", so die Expertin, die sonst Führungskräfte in Stilfragen coacht und Unternehmen berät.

Frauen empfiehlt Lisa Zimmermann, zum Vorstellungsgespräch im Hosenanzug zu gehen. Wobei es auch hier auf die passende Kombination zur jeweiligen Branche ankommt. "Wer zum Bewerbungsgespräch beispielsweise bei einer eher konservativen Rechtsanwaltskanzlei oder bei einem Wirtschaftsprüfer eingeladen ist, sollte zum einfarbigen Hosenanzug ruhig eine weiße Bluse tragen", sagt sie. Wenn es eine Bewerberin hingegen in einen kreativen Beruf drängt, könne sie zum Hosenanzug auch ein T-Shirt im gerade angesagten Hippie-Look tragen.

Egal, ob Mann oder Frau, ob Jobinterview bei einer Versicherungsgesellschaft oder bei einer Event-Agentur: Bei den Schuhen gelten in allen Branchen die gleichen Regeln. "Die meisten Personalchefs achten sehr genau auf die Schuhe", weiß Lisa Zimmermann aus den zahlreichen Unternehmen, für die sie tätig ist. "Die Schuhe müssen frisch geputzt sein und neue Absätze haben", sagt sie. Frauen sollten außerdem darauf achten, dass die Absätze nicht höher als fünf Zentimeter sind. "Klassische Pumps in den gängigen Business-Farben sind am besten", so die Stilberaterin.

Was aber können Bewerber tun, die nicht wissen, welche Kleiderordnung in dem jeweiligen Betrieb gilt? "Sie sollten sich auf jeden Fall über etwaige Besonderheiten ihres möglichen Arbeitsumfeldes erkundigen", rät der Steglitzer Stiltrainer Jan Schaumann. Das kann bei der Personalabteilung ebenso sein wie beim Betriebsrat oder natürlich bei den Mitarbeitern. Wie wichtig die Informationen über einen eventuellen Dresscode sind, zeigt das Beispiel des jungen, in Mitte ansässigen Unternehmens Meltwater. Bei dem weltweit agierenden Anbieter für elektronische Medienbeobachtung arbeiten sehr viele 20- bis 30-Jährige, regelmäßig werden beispielsweise Management-Trainees rekrutiert. "Wir legen Wert auf eine offene und inspirierende Unternehmenskultur mit flachen Hierarchien. Jedoch tragen alle unsere Mitarbeiter stets Anzug und Krawatte. Das gehört bei uns einfach zum Geschäft", betont Nora Heer, Human Resources Manager bei Meltwater.

Bewerber, die zum Job-Interview Anzug beziehungsweise Hosenanzug tragen und daran aber überhaupt nicht gewohnt sind, sollten vorher "üben", so Jan Schaumann. "Sie sollten ihre neue Business-Kleidung Probe tragen, beispielsweise beim Einkaufen und beim Besuch von Freunden oder Verwandten", empfiehlt der Stiltrainer.

Bewerber, die sich kein Coaching bei Stilberatern wie Lisa Zimmermann oder Jan Schaumann leisten können oder wollen, brauchen und sollten auf eine kompetente Beratung nicht zu verzichten. "In Mode- und Kaufhäusern wissen die Verkäufer in der Regel gut Bescheid und geben gern Tipps. Außerdem bieten auch einige Volkshochschulen regelmäßig Kurse an, in denen sich Bewerber über das passende Job-Styling informieren können", betont Lisa Zimmermann. Auch im Internet gibt es zahlreiche Websites mit Ratschlägen. Einfach in der Suchmaschine "Vorstellungsgespräch" und "Kleidung" eingeben, und los geht's.