Bildungsfonds

Neues Geld fürs Studium

Ein Studium dauert ein paar Jahre und wie man sich so lange finanziell über Wasser halten kann, fragt sich jeder Studierende. Zuwendungen der Eltern, Stiftungsstipendien oder etwas Bafög können helfen. Die meisten schlagen sich allerdings mit zeitaufwendigen Nebenjobs durch und studieren dadurch im Zweifelsfall eben etwas länger.

Wer mutig ist, nimmt vielleicht einen Bildungskredit auf, doch die Angst, den Schuldenberg später nicht abtragen zu können, schreckt viele ab. Wie wär's dagegen mit einem Stipendium, das nur dann zurückgezahlt werden muss, wenn man im Anschluss an die Uni auch einen Job bekommt? Eine Förderung in der Studiengebühren und sogar Einmalzahlungen ein Auslandsaufenthalt inklusive sind?

Willkommen in der Welt der Bildungsfonds. Eine in Deutschland noch sehr kleine Welt. Bildungsfonds sind genau das, was der Name verspricht: Fonds, in die Anleger Geld einzahlen und deren Rendite versprechendes Kapital die Bildung bzw. die zukünftigen Einstiegsgehälter von Akademikern sind. Um diese Gehälter einzustreichen, müssen sie erst einmal studieren - und genau dabei werden sie mit dem Fondskapital unterstützt.

Bildungsfonds schütten eher Stipendien als Kredite im klassischen Sinne aus. Der Charme ist, dass das Risiko eines unerwartet niedrigen Einstiegsgehalts oder gar ganz ausbleibender Jobangebote vom Fonds getragen wird und keine Verschuldung droht. Einkommensabhängigkeit ist das entscheidende Stichwort dabei. Bekommt man keinen Arbeitsvertrag, will in Elternzeit gehen oder wird gar von Berufsunfähigkeit ereilt, muss nichts zurückgezahlt werden.

Das ganze funktioniert wie ein Versicherungskonzept. Zwar lässt sich nicht mit Bestimmtheit die Rentabilität jedes geförderten Studenten vorhersagen, aber in der Summe stimmt die Bilanz und der Fonds wirft Rendite ab. Der Geldrückfluss wird über einen Anteil - meist unter zehn Prozent - des Einstiegsgehaltes generiert, der für einen vorher vereinbarten Zeitraum von der Lohntüte in den Fonds wandert.

Seit längerem gibt es das Konzept der Bildungsfonds, bisher jedoch kaum außerhalb privater Elite-Hochschulen, die auf diese Art weniger Begüterten einen Zugang ermöglichen wollen. Doch seit einigen Jahren werden Bildungsfonds hochschul- und fachübergreifend angeboten. Und noch gibt es wenig Konkurrenz auf dem Markt. Rund 1000 Euro monatlich bis zu einer Gesamtförderhöhe um die 30 000 Euro sind als üblicher Richtwert drin bei den etablierten Anbietern, zu denen die Firmen CareerConcept oder Festo gehören.

Im letzten Herbst ging der Fonds Deutsche Bildung an den Start, der sich vor den wenigen vergleichbaren dadurch auszeichnet, dass er neben der finanziellen Förderung ein so genanntes Guidance-Programm anbietet. Mit Trainings und Workshops zu Zeitmanagement oder Rhetorik wird das Fondskapital so zusätzlich aufgepäppelt. "Derzeit fördern wir rund 200 Studenten aus über 60 Studienrichtungen, verteilt an über 90 deutschen Hochschulen", berichtet Deutsche Bildungs-Geschäftsführerin Anja Hofmann. "Was unsere Kapitaldecke betrifft, könnten es aber mehr sein." Die Chancen, jetzt in den Genuss einer Förderung zu kommen, stehen nicht schlecht. Mit sieben von zehn Bewerbern unterschreibt beispielsweise die Deutsche Bildung einen Fördervertrag, Berlin ist ihr größter Förderschwerpunkt.