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Bei der Arbeit fallen Späne: Drechsler bringen Holz in Form

Drechsler sind die Feinmotoriker rund ums Holz, bei ihrer Arbeit muss buchstäblich alles rund laufen. Lehrstellen für den Nachwuchs gibt es allerdings nicht im Überfluss. "Es ist doch eher ein kleines Handwerk", sagt Bundesinnungsmeister Gerhard Preick aus Springe bei Hannover. "Viele Betriebe haben nur zwei oder drei Mitarbeiter."

"Der Beruf ist fast unbekannt", sagt Julia Buß aus Darmstadt. "Ich werde oft gefragt, was Drechsler eigentlich machen." Genauso ging es der 24-Jährigen vor ihrer Ausbildung auch selbst: "Ich hatte noch nie eine Drehbank gesehen", erzählt sie. "Aber ich wollte vor allem etwas mit Holz machen und dachte zuerst an eine Ausbildung als Tischlerin." Doch dann bekam sie den Tipp mit der Berufsfachschule in Michelstadt, an der Drechsler ausgebildet werden. "Die Werkstatt dort zu sehen, war schon faszinierend", erinnert sie sich.

Kreative Freiräume

Julia Buß bewarb sich auf eine der 15 Stellen für die Ausbildung und bekam einen Platz. "Der Vorteil der Berufsfachschule ist, dass man sich ganz aufs Lernen konzentrieren kann", sagt die Drechslerin. "Und man hat auch größere kreative Freiräume." Am Anfang lerne man, ganz einfache Formen zu drechseln. "Ich musste als erstes ein Vierkantholz rundmachen." Anschließend durfte sie sich an Kerzenständern, Schalen und Teelichtern probieren. "Richtig schwierig wird es, wenn man etwas Großes drehen muss." Handwerkliches Geschick ist dann unverzichtbar, "es kommt auf feinste Bewegungen an."

Ihre Prüfung hat Julia Buß vorbildlich hinbekommen: Mit ihrem Gesellenstück, fünf Gewürzmühlen aus Amaranth-Holz verschiedener Größe, beeindruckte sie nicht nur ihre Ausbilder. Post gab es 2006 sogar von Bundespräsident Horst Köhler: Er gratulierte der Bundessiegerin im Wettbewerbsberuf. Jetzt will sie Holz- oder Produktgestaltung studieren.

Klassisch für die Drechslerausbildung ist die Kombination aus Praxis im Betrieb und Theorie in der Berufsschule. Schulstandorte sind Seiffen in Sachsen und Bad Kissingen in Franken. Wie viele Azubis nach den klassischen Handwerkstechniken arbeiten, hängt sehr vom Betrieb ab, so Gerhard Preick. "Wo nach individuellen Vorgaben gefertigt wird - zum Beispiel Ersatzteile für das Restaurieren von Möbeln -, spielt die Arbeit von Hand eine wesentlich größere Rolle. Bei Produkten von der Stange ist das aus Kostengründen hingegen unrealistisch."

Für größere Stückzahlen bietet sich die maschinelle Herstellung an, etwa für Treppenstäbe. "Dafür haben wir inzwischen eine CNC-Drehbank", sagt Preick. Bedienen könne die computergesteuerte Anlage praktisch jeder Geselle.