Immer am Ball bleiben

Der Schauspieler Roman Roth (24) wurde als Tim Böcking in der Serie "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" bekannt. Längst ist er aus der Sendung ausgestiegen, nun hat er die Sitcom "Wilde Jungs" abgedreht, die im April 2005 auf Pro7 zu sehen sein wird. Nastasia Achilles (19) hat ihn interviewt.

Nastasia Achilles: Du bist in Frankfurt am Main geboren, kurz darauf mit Deiner Familie in die Nähe von Düsseldorf gezogen...

Roman Roth : Ja, wir lebten dort, bis ich zwölf war, auf einem Gutshof, den mein Vater geerbt hatte. Das war eine tolle Zeit für mich und meine Geschwister. Das hat mich sehr geprägt.

Was hat Dich noch geprägt?

Natürlich prägen einen besonders die extremen Sachen. Ich habe nach dem Abitur eine Banklehre gemacht, was ich auch zu den extremen Sachen zähle, weil das für mich nicht die tollste Zeit war...

Warum hast Du es dann gemacht?

Das hat sich so ergeben. Ich wollte eine Ausbildung, Hotelfachlehre, machen. Habe aber gehört, daß man damit nicht viel anfangen kann, daß die Ausbildung total anstrengend ist und es miserable Arbeitszeiten gibt. Da kam mir die Idee mit der Banklehre. Damit kann man ja alles machen. Die Idee war auch gar nicht schlecht, da ich so noch einmal zwei Jahre hatte, um mich zu orientieren. Nach dem Abitur hatte ich noch keinen Plan, was ich machen soll und dann wußte ich, daß ein unkreativer Bürojob nichts für mich ist...

Was hast Du für einen Abitur-Durchschnitt?

2,6. Was eigentlich nicht schlecht ist, wenn man sich überlegt, daß ich in der Mittelstufe und Unterstufe einer der Schlechtesten in der Klasse war.

Seit wann wolltest Du Schauspieler werden?

Mit 16 oder 17 hatte ich den Traum, Schauspieler zu werden. Ich gab sogar im Abi-Buch als Berufswunsch Schauspieler an. Aber, es war halt alles sehr unkonkret.

Warum, glaubst Du, hat GZSZ Dich genommen?

Vielleicht, weil ich mal ein anderer Typ war. Zu der Zeit machte ich die Bankenlehre. Da läuft man jeden Tag mit Anzug rum. Und an dieses Styling hatte ich mich gewöhnt, bedeutet: Auch privat trug ich Hemd und Pullunder und zusätzlich noch eine schwarze, strenge Brille. Das hat ja auch zur Rolle gepaßt. Tim Böcking ist ja der Streber, der etwas spießige Typ. Außerdem war ich gut auf die Rolle vorbereitet.

Wie bereitet man sich darauf vor?

Man bekommt vor dem Casting den Text von ein, zwei Szenen zugeschickt, den man erarbeiten, lernen und dann vorsprechen muß. Ich habe mich mit dem Leiter der Schauspielschule in Köln, in der ich auch die Schauspielkurse gemacht habe, ein paar Mal getroffen und geprobt.

Hast Du Dich auch für die Sitcom "Wilde Jungs" vorbereitet?

Ja. Da "Wilde Jungs" eine Comedy ist, hatte ich mir ein paar Comedyfilme angeschaut. Außerdem Privatunterricht bei der Schauspielerin Theresa Harder genommen. Zusammen haben wir überlegt, was Torben, meine Rolle, für ein Typ ist. Da gibt es ja die unterschiedlichsten Herangehensweisen. Beispielsweise überlegt man sich, welches Tier Torben sein könnte, wenn er kein Mensch wäre. Ich dachte da an einen niedlichen, kleinen Welpen. Torben ist ja ein schüchterner Romantiker, etwas trottelig, aber dennoch liebenswert.

Was unterscheidet "Wilde Jungs" von GZSZ?

Zum einen die Handlung. In "Wilde Jungs" geht es um drei Freunde, Lukas, Torben und Christoph, die studieren, in einem Wohnheim zusammenleben und total unterschiedlich sind. Zum anderen ist "Wilde Jungs" aufwendiger gedreht, nämlich als Kinofilm.

Karim Chérif (Lukas) und Jonas Laux (Christoph) sind frisch von der Schauspielschule und haben beide wenig Film- und Fernseherfahrungen. Gab es beim Dreh Probleme?

Am Anfang dachte ich, daß Karim zu viele Bewegungen und Grimassen macht. Auf der Schauspielschule lernt man ja viel mit dem Körper zu arbeiten. Doch es ging super auf, als wir es uns hinterher angesehen haben.

Wäre eine Schauspielschule auch was für Dich?

Während der Dreharbeiten zu "Wilde Jungs" habe ich schon manchmal gedacht, ich hätte auch am liebsten eine Schauspielausbildung abgeschlossen. Jetzt noch eine anzufangen, hieße für vier Jahre von der Bildfläche zu verschwinden. Dann kennt mich keiner mehr und momentan läuft es nicht schlecht. Da muß ich am Ball bleiben. Außerdem lernt man ja auch beim Arbeiten viel.