Interview

Der Garten als offener Raum

Bei der Außenplanung stand die individuelle Nutzung im Vordergrund

Margret Benninghoff, Landschaftsarchitektin, war für Gestaltung der Grünanlage des Grundstücks zuständig und weiß um die Besonderheiten des Gartens. Mit ihr sprach Anna Klar.

Berliner Morgenpost:

Drei unterschiedliche Mieter sollen sich hier einen offeneren Garten teilen. Warum meinen Sie, dass das gut klappt?

Margret Benninghoff:

Die drei Mieter haben einen gemeinsamen Wohnsitz. Ihre Kinder können den offenen Garten in unterschiedlicher Art und Weise erobern, jedoch auch immer wieder in ihre privaten Rückzugsräume am Haus zurückkehren. Dieses gilt ebenso für die Erwachsenen, denen auf unterschiedliche Art auch der allgemeine Garten zur Verfügung steht.

Inwiefern?

Ich stelle mir den Garten als Treffpunkt für alle vor, das Sandspiel der ganz Kleinen, das Rollen- und Bewegungsspiel der größeren Kinder und nun mein Lieblingsbild: die lange Tafel mit Stühlen und Bänken zum Kindergeburtstag, zum Grillfest, zum Nachbarschaftstreffen. Der offene Garten erweitert so den privaten Raum. Dass die drei Mietparteien sich da mal abstimmen müssen, das ist klar.

Rhododendronsträucher, die die Terrassen vom Garten trennen, schaffen private Nischen. Wie kam es zu der Idee?

Der Gegenpol zu dem offenen Garten für alle sind die privaten Freiräume an jedem Haus. Das heißt, die Bereiche der Gartenterrassen und den Terrassen in den anderen Ebenen. So wie in einem Wohnraum kann der eigene Geschmack gelebt werden, die Lieblingspflanzen in schöne Gefäße gepflanzt und Tomaten in allen Farben gezogen werden können, und auch der bequeme Liegestuhl seinen Platz findet.

Die Anlage liegt an einer Grube. Das schafft verschiedene Höhen. Welche Rolle spielte dieses bei Ihrer Planung?

Die unterschiedlichen Höhen geben dem Grundstück ein hohes Maß an differenziertem Freiraum und damit auch, insbesondere den Kindern, viele Nutzungsmöglichkeiten. Im Winter sehe ich die Kleinen unzählige Male den „Hügel“ herunterrodeln. Bei der Ausformung des Grundstückes sind das Gebäude, die Nachbargrundstücke und die Straße zu berücksichtigen.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten an dem Komplex?

Für mich sind offene, nicht abschließend gestaltete Freiräume besonders reizvoll. Freiräume können die Phantasie der Bewohner anregen, ihren eigenen Gestaltungsdrang wecken. Dadurch entsteht ein Gefühl von Verantwortung und Zugehörigkeit und das wird die Bewohner anregen, sich liebevoll um die Gärten und die privaten Bereiche zu kümmern.

Sie gestalten und planen häufig auch große, öffentliche, Gärten und Anlagen. Was war der Unterscheid zu dem kleineren Projekt hier?

Jeder private oder öffentliche Garten oder Park hat seine eigene Situation und Fragestellung. Dennoch gibt es Arbeitsschritte, die sowohl für größere und kleine Projekte gelten. Der erste Schritt ist immer die Feststellung der Grundlagen wie Bäume und andere Vegetation, wie sind die Lichtverhältnisse, die Wasser- und Bodensituation, wie ist das Klima, welche Höhen findet der Planer vor, an welche Höhen der Umgebung muss sich das Grundstück anfügen. In einem zweiten Schritt werden dann erste Entwürfe gefertigt, die nach Abstimmung immer weiter bis zur Ausführungsplanung detailliert werden.