Architektur

Viel Platz in alter Mühle

Das Ehepaar Tiburski entschied sich nach dem Auszug ihrer Kinder für ein Denkmal mit Blick auf die Havel

„Das ist es!“, war der erste Gedanke, der Ingo Tiburski durch den Kopf schoss, als er die neuen Wohnräume im Dachgeschoss, damals noch ein Rohbau, auf der Baustelle der historischen Burgmühle in Brandenburg/Havel betrat. Er war auf der Suche nach einer neuen Bleibe für sich und seine Frau Anke und hatte gehört, dass die alte Mühle saniert werde. Schnell wurde ihm klar, hier und nirgendswo anders wolle er mit seiner Frau hinziehen.

„Ich stand in dem gut 120 Quadratmeter großen Raum und sah das wunderbare Licht, die vielen Fenster und diese einmalige Aussicht zur rechten wie zur linken Seite und war begeistert. Ich wusste zuerst gar nicht, wo ich hinschauen sollte“, erinnert er sich. Als es dann seiner Frau bei einer gemeinsamen Besichtigung wenige Tage später ähnlich erging, war die Sache beschlossen. Weitere Immobilienbesichtigungen wurden abgesagt. Ingo und Anke Tiburski kauften die Eigentumswohnung in der historischen Burgmühle.

„Ursprünglich hatte der Bauherr hier zwei kleinere Wohnungen geplant, doch wir konnten ihn schnell davon überzeugen, uns die beiden großen Räume als eine Wohnung zu verkaufen“, sagt der Eigentümer und freut sich noch immer über diesen Entschluss.

„Jeden Morgen staune ich über die wunderschönen Sonnenaufgänge, und jeden Abend bewundere ich, wie die Sonne über der Havel untergeht. Es ist einfach wunderschön“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: „Meine Kinder können meine Lobeshymnen nicht mehr hören, sie meinen, ich müsste mich hier doch langsam mal sattgesehen haben!“

Zwei 60 m2 große Räume

Die Kinder seien im Übrigen der Grund für den Umzug der Eheleute. „Unser Sohn und unsere Tochter sind zum Studieren aus unserem gemeinsamen Haus hier in Brandenburg/Havel ausgezogen, leben nun beide in Kiel und sind eher selten daheim. Kein Wunder, dass uns da das Haus schnell zu groß und zu viel geworden ist“, erklärt Anke Tiburski.

Sie freut sich nun endlich an den Wochenenden ihrem Hobby, dem Wassersport, vollkommen frönen zu können und „keine lästige Gartenarbeit mehr verrichten zu müssen“. „Wir leben dynamisch“, sagen die beiden Lehrer unisono. Der Umzug in die neue Bleibe sei daher ein logischer Entschluss gewesen.

Seit September 2014 leben die beiden nun in ihrer neuen Wohnung und haben es „bisher keinen Tag bereut“, sagt Ingo Tiburski. Stolz führt er durch das Appartement.

Das besteht aus zwei rund 60 Quadratmeter großen Räumen, die beide nach rechts beziehungsweise links von einem kleinen rechteckigen Flur abgehen. Getrennt werden die Räume durch ein 15 Quadratmeter großes Badezimmer mit ebenerdiger Dusche und einer herrlichen ovalen Badewanne. Das Fensterbad ist in den Tönen Braun und Weiß gestaltet und mit großen braunen Fliesen in Holzoptik versehen.

Holz ist ein gutes Stichwort, denn in der Wohnung des Lehrerpaares dreht sich vieles um diesen Baustoff. Ingo Tiburski hatte in seiner Jugend einst eine Tischlerlehre absolviert. In der neuen Wohnung habe er großen Spaß daran gehabt, „hier und da einige Ideen“ in die Einrichtung miteinbringen zu können. „Ich habe nun schon viele Jahre nicht mehr in dem Beruf gearbeitet, finde es aber immer wieder schön, mit Holz zu werkeln und freue mich, wenn jemand etwas für mich aus Holz anfertigt“, erklärt er. Es habe ihm deshalb sehr gut gefallen, mit dem von dem Paar beauftragtem Tischler zusammen Ideen zu entwickeln. So seien zum Beispiel die tragenden Balken in dem Dachgeschoss sichtbar und geschliffen. „Es ist ein schönes Holz und passt ideal zu unserer Holzempore, warum sollen wir es verstecken?“, fragt der Hausherr. Die Empore wurde im rechten der beiden großen Räume aufgebaut und beherbergt den Schlafbereich des Paares. Zugänglich ist dieser über eine Holztreppe. Der Boden der Empore ist aus Holz. Um das Licht in dem Aufbau jedoch nicht auszusperren und auch den Raum darunter nicht unnötig zu verdunkeln, wurden für die Empore stabile Wände aus Glas angefertigt und in den Holzboden eingelassen. „Eine tolle Idee unseres Tischlers“, sagt Ingo Tiburski sichtlich zufrieden.

Unter dem Aufbau befindet sich ein großer Arbeitsraum mit zwei Schreibtischen, einem zusätzlichen Tisch, einem roten Sofa, Sesseln sowie einem eigens angefertigten bis zu fünf Meter hohen und der Schräge der Wand nachempfundenen Regal. Dieses ist prallgefüllt mit Lehrbüchern aller Couleur.

„Unsere Einrichtung ist eine Mischung aus Alt und Neu mit etwas Trödel dabei“, beschreibt Anke Tiburski den Stil ihrer Wohnung. Beim Trödel bezieht sie sich zum einen auf den alten Sekretär ihres Mannes, der vom Tischler für die neue Wohnung clever in ein Regalelement eingebaut wurde und nun an einer Wand hinter den Schreibtischen steht. Aber auch das eine oder andere Regal, alte Stühle sowie die antike Nähmaschine, ein Accessoire im Wohnzimmer, sind dem Trödel liebevoll zuzuordnen.

Historische Fassade

Ist die rechte Seite des lichtdurchfluteten Appartements dem Schlafen und Arbeiten gewidmet, so steht das Essen und Wohnen in der linken Hälfte auf dem Programm. Eine offene Einbauküche, „die sich leider noch im Einbau befindet“, wie die Eigentümer gestehen müssen, soll die Einrichtung in dem Raum bald komplett machen.

Davor steht schon jetzt ein Esstisch mit sechs Holzstühlen. Zwei Sofas und ein weiteres Bücherregal sind in dieser geräumigen aber doch gemütlichen Wohnstube zu finden. Vergessen sollte man nicht die selbstgemalten und selbstgestalteten Bilder der Eigentümerin, die die Wände in beiden Räumen schmücken. „Es sind hauptsächlich Landschaften, die ich auf unseren gemeinsamen Segeltouren an die Ostsee immer wieder lieben gelernt habe“, sagt die Hobby-Künstlerin und fügt hinzu: „In unserer neuen Wohnung kommen sie bei dem vielen Licht gut zur Geltung.“

Neben dem Licht war es vor allem der Denkmalcharakter der Immobilie, der es Anke und Ingo Tiburski angetan hat. Die historische Fassade, die Brücke und das rauschende Wasser der Havel darunter bilden eine pittoreske Hülle für einen modernen Neubau, der sich darin befindet, inklusive Fahrstuhl und Fußbodenheizung. Überdies prägen die historischen Sprossenholzfenster und Türen für die beiden Balkone in dem Appartement das Gesamt-Arrangement. Und von den Fenstern gibt es in der Wohnung des Paares so einige, und das sogar in sehr unterschiedlichen Formen.

Besonders auffallend sind drei runde bullaugenähnliche Fenster im Arbeitsraum, die tief am Boden angebracht sind. Sie hatten sicherlich ehemals eine Funktion in der alten Burgmühle. Heute sind sie vor allem schön anzuschauen und überdies architektonisch ein originelles Beiwerk.

Ohne Zweifel, Anke und Ingo Tiburski haben es richtig gemacht mit dem „dynamischen Leben“. Heute genießen sie im Strandkorb auf dem zehn Quadratmeter großen Balkon am Wohnzimmer die Sonnenuntergänge über der Havel, blicken auf die historische Altstadt und auf den Brandenburger Dom in ihrer direkten Nachbarschaft. Außerdem freuen sie sich auf die Wochenenden, denn dann geht es nicht mehr zum Unkrautjäten oder Rasenmähnen in den Garten, sondern auf das eigene Boot auf die Havel oder Spree in Richtung Ostsee!