Interview

„Weitläufigkeit ist heute gefragt“

Dank eines Betonskelettbaus lassen sich Trennwände beliebig anordnen

Über den von seinem Unternehmen gestalteten Neubau zwischen Kreuzberg und Mitte sprach Wolfgang Keuthage von Hastrich Keuthage Architekten mit Oliver Klempert.

Berliner Morgenpost:

Herr Keuthage, könnten Sie in groben Zügen Ihr Konzept der Zwillingsgebäude erläutern?

Wolfgang Keuthage:

In Berlin Mitte, am Übergang zu Kreuzberg, war es unserem Bauherrn Archigon möglich, auf dem ehemaligen Mauerstreifen ein Grundstück zu erwerben. Hastrich Keuthage Architekten wurde mit der Planung beauftragt. Eine besondere Herausforderung war dabei die flache Ecke. Hier entwickelten wir eine sehr ruhige Lösung mit auskragenden Loggien. Als unmittelbar nach Fertigstellung das gegenüberliegende Grundstück zum Verkauf stand, bekamen wir die Möglichkeit, dieses mit den gleichen Gestaltungsmitteln zu bebauen. Einzig der Beton wurde deutlich dunkler eingefärbt. Heute bilden die zwei Baukörper so etwas wie das Tor zum Alfred-Döblin-Platz, dem Übergang von Mitte nach Kreuzberg.

Weshalb sollen Wohnungen heute vermehrt flexibel umnutzbar sein?

Bei den Häusern berücksichtigen wir den Aspekt der Nachhaltigkeit. Wir verstehen darunter nicht nur Fenster mit sehr geringen Wärmeverlusten, außen liegendem, veränderbarem Sonnenschutz und Einsatz regenerativer Energie, sondern wir möchten, dass sich unsere Gebäude auch in vielen Jahren noch den sich ändernden Bedürfnissen der Bewohner oder auch der Gesellschaft anpassen können. Das gelingt durch die Errichtung als Betonskelettbau, in dem sich leichte Trennwände beliebig anordnen lassen. Dabei ist die Fensterteilung bereits so gewählt, dass sinnvolle Ausbauten einer Wohnung mit eins, zwei, drei, vier oder sogar fünf Zimmern jetzt oder später möglich sind. Dabei ist auch ein Rückbau von Zimmern berücksichtigt.

Wie fügt sich das Haus in die Umgebung ein?

Das Baurecht auf diesen Grundstücken sah vor, sich an dem Bestand zu orientieren. So entstanden zwei siebengeschossige Neubauten, wie sie in der Höhenentwicklung auch in der Nachbarschaft zu finden sind. Die Fassaden sind nach Osten, Süden und Westen fast völlig verglast. Die Geschossdecken schließen mit einem Gesims aus Betonfertigteilen ab. An diesen wurden über Schienen textile Paneele befestigt, die das Gebäude gliedern. Die Gliederung bleibt auch dann erhalten, wenn die Bewohner die Lage der Paneele verändern.

Die Wohnung der Schmitz’ zeichnet sich durch ihre Weitläufigkeit aus. Ist dies ein aktueller Trend?

Herr Schmitz hat seine Wohnung als Loft gekauft. Die Wohnung hatte außer einem Bad keine Innenwände. Er hat sehr geschickt sein gerundetes Regal eingebaut. Dadurch wird der Raum zwar zoniert, die Fassade wird aber nicht unterbrochen. Zusammen mit der großzügigen Verglasung erscheint daher die mit 90 Quadratmetern mittelgroße Wohnung so großzügig. Und diese Großzügigkeit ist heute nachgefragt.