Atelier

Eine Wohnung als Showroom

Kunsthandwerker Klaus Dupont und Ehefrau Gundula leben in Moabit. Seine Werke präsentieren sie zu Hause

Das kleine Atelier von Gundula und Klaus Dupont in der ruhigen Krefelder Straße sieht von außen unscheinbar aus. Dabei ist die Adresse doch vielen wohlbekannt. Kunsthandwerker Dupont hat dort schon Maler wie Jörg Immendorff oder Markus Lüpertz mit Ringen und Gehstöcken versorgt. Die Objekte aus seiner Goldschmiede wurden in Ausstellungen präsentiert, er verkauft in die ganze Welt. Auch Berlinale-Chef Dieter Kosslick kenne sein Atelier, wie Dupont stolz berichtet. Auf dessen Empfehlung sei erst jüngst Georg Hornemann, Juwelier aus Düsseldorf und ein Künstler auf seinem Gebiet, in den Räumen in Moabit aufgetaucht und habe sich die zahllosen kleinen und größeren Kostbarkeiten in Duponts Wunderkammer zeigen lassen.

Auch Thomas Herrendorf, dessen Einrichtungsgeschäft an der Lietzenburger Straße in Wilmersdorf eine altbewährte Institution ist, führt es hin und wieder in die stille Straße in Moabit. Ebenso Beschäftigte von Nobelhotels wie Kempinski und Brandenburger Hof. Sogar Angestellte einer arabischen Prinzessin, die etwas Besonderes für die Yacht ihrer Chefin suchten, haben sich schon in Duponts Atelier umgesehen und Objekte erstanden.

Dabei war es anfangs nicht leicht, sich als Kunsthandwerker zu behaupten – damals im niedersächsischen Fallingbostel. Das Ehepaar stöhnt heute noch, wenn es zurückdenkt an die Zeit im Heimatort. Klaus Dupont begann als Restaurator von Antiquitäten, aber die Fallingbosteler blieben lieber bei ihren schlichten Schrankwänden. Der Kunsthandwerker sei ihnen suspekt gewesen, erinnert sich Dupont. Erst recht seit 1991, als er nach Dresden gefahren und voller Begeisterung zurückgekehrt war.

Dupont war Keysslers Reiseführer von 1741 gefolgt, der empfahl: „In Dresden hat man vor allen Dingen dahin zu trachten, dass man das Grüne Gewölbe zu sehen bekomme.“ Der Kunsthandwerker schwärmt noch heute: „Die Stadt sah damals heruntergekommen aus, aber das Grüne Gewölbe war für mich die Offenbarung.“ Die Sammlung zeigt die ehemalige Schatzkammer des Adelsgeschlechts der Wettiner. Die Exponate der Juwelier- und Goldschmiedekunst stammen aus verschiedenen Jahrhunderten von der Renaissance bis zum Klassizismus. „Ich wusste auf einmal, was ich tun sollte“, sagt Klaus Dupont. Und baute seine Profession komplett um. Er wurde zu einem, der diese alte Kunst fortführt, sammelt seitdem Fundstücke auf Flohmärkten und bei Händlern im In- und Ausland – Belgien und Frankreich, aber auch im mediterranen Raum – und fügt sie sorgfältig zu neuen Kreationen zusammen.

Ihre Wohnung im Erdgeschoss haben die Duponts zum Ausstellungsraum gemacht. Im Keller, zu einer Manufaktur ausgebaut, schafft der Kunsthandwerker seine Kreationen.

Privat und öffentlich

Früher war die Wohnung ein Ladenlokal. Heute ist der vordere Teil ein Showroom mit direktem Übergang ins Wohnzimmer der Duponts. Durch einen Gang dahinter gelangt das Ehepaar in seine Privaträume: Küche, Bad und Schlafzimmer, alle mit Blick in den Hinterhof.

Gundula Dupont, die eigentlich Sozialpädagogin ist, aber seit Jahren das Geschäft führt, hat ihren Schreibtisch direkt neben den imposanten Regalblock mit den Fantasiefiguren gestellt. Vor dem Schaufenster laufen Menschen vorüber, Kinder drücken an der Scheibe ihre Nasen platt. Interessenten müssen klingeln, um empfangen zu werden. Die Kunden kommen aus aller Welt, der Schweiz und den USA, aus Hongkong, Singapur, Südkorea, Taiwan oder Japan. Unter den Europäern sind Franzosen die häufigsten Gäste, auch Besucher aus Portugal. Die Zielgruppe der Duponts sind vor allem vermögende Kunden, die Handarbeit zu schätzen wissen. „Franzosen etwa haben einen ganz anderen Anspruch an Antiquitäten als Deutsche“, sagt der Inhaber.

Aus antiken Messing-, Bronze- und Metallelementen macht Klaus Dupont in freier Gestaltung figürliche Darstellungen. Er orientiert sich nicht an Vorgaben, für ihn zählt nur die künstlerische Eingebung des Moments. Deshalb gleicht kein Stück dem anderen, jede Kreation ist ein Unikat. Die meisten davon stehen auf kleinen Marmorblöcken oder auf marmoriert bemalten Holzsockeln. Hier schwingt sich ein gedrehtes Oryxantilopenhorn aus einem Messingschaft, dort steht ein Bronze-Elefant auf seinem Sockel, aus dessen massivem Rücken ein feuerroter Korallenast wuchert. Ein Nashorn trägt eine Muranoglasschale mit Muscheln, ein gekrümmtes Elfenbeinhorn bietet, auf einem massiven Messingständer platziert, zwei Kerzenhalter an. Und ein eiserner Drache stemmt eine leuchtend rote Koralle, die mit Süßwasserbarockperlen versehen ist, in die Höhe. Die Skulpturen sind klein, tagelang wurden sie handwerklich bearbeitet, geschnitzt, geschliffen, bemalt, an der Drehbank verfeinert und anschließend in Lacklösung getaucht.

Ausgefallene Dekoration

Mitte der 1990er-Jahre hatte sich das Paar entschlossen, nach Berlin zu ziehen. In Moabit fanden beide die Räume, in denen sie seitdem leben und arbeiten. Bald darauf kam der Durchbruch. Gundula Dupont war es gelungen, einen Platz auf der Pariser Messe „Maison & Objet“ zu ergattern. Seitdem stellt das Paar dort jedes Jahr seine barocken Stücke aus, die von jenen erworben werden, die für die Dekorierung von Wohnungen, Häusern mit Kaminzimmern, Nobelclubs und Lounge Rooms von Hotels das Ausgefallene suchen. Die Preise dafür beginnen bei 2000 Euro und gehen bis zur fünffachen Summe.

Es sind die guten alten Dinge von einst, neu gemacht. Und wenn die kostbaren Teile nicht auf Messen ausgestellt werden, schmücken sie die Wohnung der Duponts, bis jemand sie kauft. „Dieser Elefant geht demnächst nach New York“, sagt Gundula Dupont und zeigt auf ein weiteres eindrucksvolles Stück.

Wie man in Räumen wohnen kann, die bis unter die Decke mit Kunsthandwerk bestückt sind, zudem noch stets exzellent ausgeleuchtet? Für das Ehepaar ist das längst nichts Ungewöhnliches mehr. Die Zimmer sind trotz aller Kunst wohnlich durchstrukturiert. Jeder hat seinen Lieblingsplatz. Der von Gundula Dupont ist im Wohnzimmer auf einem Stahlgerüst mit Untergestell aus Kiefernholz, wo sie liest und der Fernseher läuft. Ihr Mann befasst sich am liebsten darunter im Sessel mit seinem Spezialgebiet, afrikanische Kunst, sowie mit Kunstbüchern aus der ganzen Welt, die er sammelt.

„Mein Mann hat ein sehr ausgeprägtes Gefühl für Materialien, ihren Wert erkennt er sofort“, erzählt Gundula Dupont. „Wenn wir für unsere Objets-Trouvées-Sammlung wochenlang auf den Märkten in Europa und darüber hinaus unterwegs waren, wenn wir Funde bei Antiquitätenhändlern und Künstlern gefunden haben und sie dann nach Hause bringen und ausbreiten, wird die Wohnung zur Schatzkammer.“

Die Duponts wollen von ihren Schätzen umgeben sein, sie berühren und sich an ihnen erfreuen. Genau so entstehen ihre Verwertungsideen. Dementsprechend wenig museal geht es bei ihnen zu. Kommen ihre Kinder mit den Enkeln zu Besuch, dürfen auch die ihre neuesten Stücke vorsichtig betasten und im Manufakturkeller sogar schleifend oder bürstend selbst Hand anlegen.

Der Showroom ist mit einem gut erhaltenen alten Terrazzoboden ausgestattet. Passend dazu hat das Paar die Wände des Raums in der Farbe Koralle gestalten lassen, dem bevorzugten Ton der beiden. „Wir lieben Blickfänge“, sagt sie. „Wir achten das qualitativ Hochwertige“, fügt er hinzu. Gundula und Klaus Dupont sind ein eingespieltes Team.